Totholz lebt
Die Reste abgestorbener Bäume können den Garten bereichern

Foto: Adobe Stock/Eileen Kumpf
Wenn Gärten in die Jahre kommen, dann erreicht auch mancher Baum die Grenze seiner Lebenserwartung. Ein starker Schädlingsbefall, ein trockener Sommer oder strenger Frost im Winter kann dann schon reichen, und ein alter Obstbaum geht ein. In diesem Fall wird oft schnell zur Säge gegriffen, um Platz für eine Neupflanzung zu schaffen. Manchmal kann es aber auch eine Option sein, den toten Stamm am Platz zu lassen oder zumindest das zersägte Holz nicht aus dem Garten zu schaffen, sondern in einer Ecke des Grundstücks aufzustapeln.

Denn das Holz des abgestorbenen Baums ist nicht wirklich tot. Ganz im Gegenteil: Zu diesem Zeitpunkt wird es zu einem Hotspot neuen Lebens. Am und im Totholz siedeln sich Pilze, Flechten, Moose und Farne an, außerdem zahlreiche Tiere. Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung sind allein 1350 Käferarten an der Zersetzung und Wiederverwertung eines Holzstamms beteiligt, darunter auch seltene Arten wie der Hirschkäfer und der Holzbock. Hinzu kommen Hummeln und Wildbienen, Asseln und Falter. Größere Tiere wie Eidechsen oder Blindschleichen nutzen Altholz als Versteck.

Wer in seinem Garten zersägtes Holz der Witterung überlässt, kann beobachten, wie es zersetzt wird. In der Regel dauert es einige Jahre, bis aus dem festen Stammholz fruchtbarer Humus wird. Bakterien und Pilze spielen in dem Prozess eine große Rolle. Sie sind die einzigen Organismen, die Lignin zersetzen können, ein Bestandteil, der Holz Festigkeit verleiht. Wenn die Vorarbeit geleistet wurde, kommen andere Lebewesen zum Zuge, die das nun weiche Material angreifen können.

Bleibt der abgestorbene Stamm in der Senkrechten, dauert die Verwitterung noch deutlich länger. Dann sind es zunächst einige Insektenarten wie Bockkäfer und Holzwespen, die ihre Gänge in das harte Holz graben. Dann erst können Pilze und Bakterien eindringen. Außerdem bauen Spechte in den abgestorbenen Stämmen besonders gerne ihre Höhlen, die später auch von anderen Vögeln, Fledermäusen oder Siebenschläfern bezogen werden.

Es gibt kaum Maßnahmen, die geeigneter sind, die Vielfalt der Tierwelt in einem Garten zu erhöhen, als das Liegenlassen von Totholz. Gerade im Winter halten sich viele Tiere unter der Rinde oder in Hohlräumen versteckt, informiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Mit Totholz können auch Strukturen im Garten gestaltet werden, etwa durch eine Benjeshecke, empfiehlt der Verband. Dazu werden abwechselnd links und rechts im Abstand von etwa einem Meter stabile Äste oder Holzpfosten in den Boden gesteckt. Das Totholz wird horizontal dazwischen gelegt. Im Lauf der Zeit sackt die Konstruktion ab. Vögel tragen Samen ein und zwischen dem Altholz ranken Pflanzen hoch.

Als Begleitpflanzen für eine Benjeshecke eignen sich heimische Blütengewächse. Der Nabu empfiehlt zum Beispiel Kriechenden Günsel (Ajuga reptans), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Akelei (Aquilegia vulgaris) und Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica). net
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