Die sechsteilige Produktion von MDR, WDR und Balance-Film „Auf Fritzis Spuren – Wie war das so in der DDR?“ erzählt von dem Leipziger Mädchen Fritzi, die im Herbst 1989 die Wende miterlebt, und verbindet ihre fiktive Geschichte mit dokumentarischen Berichten und Zeitzeugeninterviews. Die Idee zum Buch kam der Verlegerin Monika Osberghaus, als sie einmal mit ihrem kleinen Sohn durch Leipzigs Straßen ging und mit ihm über Autokennzeichen sprach – denn das „L“ kannte man auch aus den alten Bundesländern. Der Erstklässler, der gerade frisch aus dem Westen kam, wurde dadurch so neugierig auf seine neue Stadt und deren Wende-Geschichte, dass klar war: Darüber muss es ein Buch für Kinder im Grundschulalter geben!
Fritzi erlebt, dass beim Fahnenappell eine Mitschülerin fehlt, die Eltern berichten von Kollegen, die „in Ungarn“ geblieben sind und Lücken gerissen haben. Die Oma meldet sich aus München, und bei Fritzi wird – wie in vielen Familien – diskutiert, ob man das Land verlassen oder hier, zu Hause, etwas ändern sollte. Weiße Schleifen an Autoantennen und Friedensgebete in der Nikolaikirche, Gebete für die Veränderung des Landes: Die Eindrücke und Fragen fahren in Fritzis Kopf Karussell, sie hört die Losung „Keine Gewalt“ und ist plötzlich selbst im Westfernsehen zu sehen.
Die Schilderungen jener Tage sind sehr authentisch. Geradlinig sind die Fragen eines Kindes, das diese Zeit in Leipzig erlebt und ein Plakat schreibt: „Ein Land ohne Mauer - da ist keiner sauer.“ Und dann ist die Grenze plötzlich offen.
Es sind nur wenige Wochen, die in diesem Kinderbuch eingefangen sind, aber wer dabei war, wird sie nicht vergessen. „Vielleicht ist es ja einfach ein Wunder“, fasst Fritzi zusammen, was sie erlebt hat. rvSchott, H.: Fritzi war dabei. Klett Kinderbuch, 2024.