Goldbraun, neugierigund immer durstig
Das erste Fohlen des Jahres im Neustädter
Gestüt kam am 30. Januar zur Welt –
Über 30 weitere sollen noch folgen

Die Neustädter Pferde genießen trotz Frost die Zeit an der frischen Luft im Hof des Hauptgestüts.Collage: Katharina Ibendorf
Neustadt (Dosse). „Ein sehr schönes Fohlen, sehr edel, sehr typvoll.“ Für den Laien übersetzt: eine Pracht. Stutenmeister Ronny Voigt ist vom ersten Nachwuchs des Jahres im Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt begeistert. Am 30. Januar kurz nach Mitternacht kam die kleine Stute zur Welt. Inzwischen dreht sie schon munter ihre Runden durch den Stall – natürlich immer schön in der Nähe von Mutter „Pleasure“.

Die sorgt mit ihrer Milch nicht nur jederzeit für einen vollen Bauch, sondern liefert zugleich das Vorbild für den Umgang mit seltsamen Zweibeinern. Dass die offenbar harmlos sind und ein bisschen Schnuppern nicht schaden kann, steht für die Mini-Stute damit fest. „Die Kleine ist sehr neugierig.“ Voigt hält das für ein gutes Zeichen.

Als Stutenmeister ist er im Gestüt für den Nachwuchs verantwortlich. Für ihn und seine Kollegen hat mit der ersten Geburt jetzt sozusagen der Frühling begonnen. Und der bringt viel Arbeit. Bis in den Mai hinein erwartet das Gestüt insgesamt 34 Fohlen. Die halten sich bei der Geburt nicht an Dienstpläne. Wenn eine Stute entsprechende Anzeichen zeigt, muss das Team jederzeit bereit sein. „Wir haben dann eine Nachtwache“, erklärt Voigt.

Zwar leisten die Stuten die meiste Arbeit, doch kann dabei auch mal etwas schiefgehen. Das zweite Neustädter Fohlen des Jahres, musste nach der Geburt behandelt werden. Doch das wird schon. Der Stutenmeister ist zuversichtlich.

Die Kälte sei für die jungen Pferde übrigens kein Problem, versichert er. „Den Abfohlstall haben wir ein bisschen geheizt.“ Ansonsten sorgen die Stuten selbst für Wärme – einfach durch ihre Körper. „Das ist ein Temperaturunterschied von über 10 Grad von draußen zu drinnen.“ Eben das führt dazu, dass die Gestütspferde jetzt immer nur kurzzeitig ins Freie kommen, obwohl ihnen ein paar Grad unter Null wenig ausmachen. Das lässt sich jetzt im Hof des Hauptgestüts beobachten: alles sehr entspannt, wie zu jeder anderen Jahreszeit auch.

Allerdings kühlen leere Ställe schnell aus. „Die Pferde halten die Räume durch ihre Körperwärme frostfrei – auch die Wasserleitungen“, erklärt Voigt. Darauf könne man nicht verzichten.

„Pleasure“ und ihre Tochter bleiben in den ersten Tagen ohnehin drinnen. Mama wälzt sich sichtlich entspannt im Stroh. Klar: Elf Monate Trächtigkeit sind überstanden. 55 Kilogramm weniger lasten auf Rücken und Beinen. So viel wog das Fohlen bei der Geburt.

Bald wird die Kleine immer größere Runden drehen und auch draußen herumtoben – mit all den anderen Fohlen, die noch folgen. Der Stutenmeister spricht vom „Kindergarten“. Einen Einblick ermöglicht der „Neustädter Fohlenfrühling“ am 2. Mai. Das Hoffest beginnt um 13 Uhr.

Direkt danach geht es für Stuten und Fohlen dann raus auf die Weiden. Erst im Herbst werden die Fohlen „abgesetzt“, also von ihren Müttern getrennt. Das Leben in der Jugend-WG schließt sich an. „Mindestens bis zum Start der Ausbildung mit drei Jahren behalten wir sie“, kündigt der Stutenmeister an.

Das Gestüt hat jetzt schon den nächsten Jahrgang im Blick. Bald startet die Decksaison. Bei der „Großen Hengstpräsentation“ am heutigen 14. Februar stellen sich die potenziellen Väter aus dem Neustädter Hengstbestand Züchtern vor. Zugucken kann aber jeder: ab 14 Uhr in der Graf-von-Lindenau-Halle.

Alexander Beckmann



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