Wer hätte geahnt, dass Kamele – genauer: Trampeltiere – so plüschig sind! Neugierig beschnuppern Nala und Khan am Lohmer Ortsrand Besucher und lassen sich Streicheleinheiten nur zu gern gefallen. Die beiden sind seit Dezember die neuesten vierbeinigen Bewohner des Dorfes im Amt Neustadt.
Ihr Gastgeber ist René Harsch. Der 44-Jährige betritt gemeinsam mit seinen Schützlingen Neuland in der Region. Denn ihre Aufgabe soll der Naturschutz sein.
Seit rund acht Jahren widmet sich Harsch im Auftrag von Unterer Naturschutzbehörde, Naturschutzfonds und Nabu der Biotop-Pflege. Luchwiesen, Heide und Trockenrasen in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Havelland sind seine Spezialität.
Eines steht für den Lohmer dabei fest: Einfach sich selbst überlassen kann man die Flächen nicht. „Wenn zum Beispiel Heideflächen nicht regelmäßig beweidet oder gemäht werden, kommen erst die Büsche und dann der Wald.“ Die Kulturlandschaft würde damit über kurz oder lang verschwinden.
Doch was über Jahrhunderte Landwirte mit ihren Rindern oder Schafen leisteten, lohnt heute wirtschaftlich immer weniger. „Hier in der Region fehlt inzwischen oft die Großbeweidung.“ Als Ersatz setze man meist Maschinen ein. „Aber die Ideallösung sind natürlich Weidetiere.“
Genau diese Rolle könnten Nala und Khan übernehmen. René Harsch nennt es ein „Pilotprojekt“. Die Trampeltiere sollen ab April testweise an wechselnden Standorten kleinere Areale von Stauden und Büschen befreien. Schließlich fressen sie bis hin zu Holz fast alles, was pflanzlich ist, und sind dabei deutlich genügsamer als beispielsweise Rinder.Selbst die Douglasie in Harschs Garten musste schon dran glauben. Die Erfahrung hat der Lohmer gemacht: „Die riechen schon wieder nach Hustenbonbon aus dem Maul.“
Die Idee mit den Kamelen habe ihn schon länger beschäftigt, erzählt René Harsch. Als dann die achtjährige Stute und ihr inzwischen neun Monate alter Sohn nahe Stuttgart zum Kauf angeboten wurden, habe er die Gelegenheit genutzt.
Grundsätzlich kommen die Tiere in Mitteleuropa gut zurecht. Sie sind auch für Brandenburg keine absolute Neuerung. Der Kamelhof Nassenheide bei Oranienburg beispielsweise hält seit gut 20 Jahren Trampeltiere. „Unsere ersten Kamele kamen 2004“, erzählt Jörg Heidicke. Zwischenzeitlich waren es fast 20. Er ist überzeugt: „Denen geht‘s hier saugut.“
Anders als die nordafrikanischen Dromedare – das sind die mit einem statt zwei Höckern – stammen Trampeltiere aus Asien. „Kasachstan, China, die Mongolei“, zählt Heidicke auf. „Da haben sie im Winter bis zu minus 40 Grad. Und im Sommer echte Hitze.“
Nur eines müsse man bei der Haltung beachten: „Wichtig sind trockene Füße. Das sind eben Wüsten- und Steppentiere.“ Die Kamele sind auf schwieligen Sohlen unterwegs: immer ein bisschen schaukelnd, weich und praktisch lautlos.
Tempo ist normalerweise nicht ihr Ding. Nala und Khan in Lohm vermitteln einen ausgesprochen entspannten Eindruck. „Sie sind genügsam und pflegeleicht“, schätzt René Harsch jetzt nach rund drei Monaten ein. „Man kann sehr gut mit ihnen umgehen.“ Seine Kinder seien absolut vernarrt in die Tiere.
Das will er Besuchern nicht vorenthalten. Auf Anmeldung könne jedermann gern bei den Trampeltieren vorbeischauen. Perspektivisch denkt Harsch an Wanderungen für Gruppen zusammen mit den Kamelen. Nur was das Reiten angeht, ist er noch unschlüssig – obwohl Nala damit Erfahrungen hat.
Die Lohmer Trampeltiere sollen es gut haben. Von Experten hat René Harsch gelernt: „Wenn du mal schlecht zu einem Kamel warst, das merkt sich das ein Leben lang.“ Alexander BeckmannKontakt zu René Harsch und seinen Tieren – die Kamele sind nicht die einzigen – gibt es über seine Internetseite wildtierschule-harsch.de.