Frank Pergandes „Die Hofdame der Königin Luise“ ist ein Liebesroman im besten Sinne, voller Hoffnung, Sehnsucht und Erwartungen, aber auch geprägt von gesellschaftlichen und persönlichen Hindernissen. Im Mittelpunkt stehen die Hofdame der Königin Luise Ulrike von Bredow, aus altem märkischem Adel, in bestem Alter, drei Kinder, glücklich verheiratet, und der Pächter des Gutes Hohenzieritz, Georg Christian Carl Hoth.
Dieser Roman beginnt ungewöhnlich: mit den Unterhosen der Königin. Gerade ist die von vielen verehrte Königin Luise auf Schloss Hohenzieritz gestorben. Was zunächst überrascht, entwickelt sich bei Pergande ganz selbstverständlich zu einem lebendigen Bild. Offenherzige Gespräche unter Freundinnen über Liebe, Ehe und Sexualität wirken keineswegs aus heutiger Sicht aufgesetzt, sondern fügen sich glaubwürdig in die Zeit ein, in der die Handlung angesiedelt ist.
Das Jahr 1810 bildet den historischen Hintergrund. Preußen befindet sich im Übergang zwischen einer erstarrten Adelsgesellschaft und den neuen Ideen aus Frankreich und England. Liberale Gesetzgebung, Diskussionen über Menschenrechte und moderne Wirtschaftstheorien beginnen die alte Ordnung zu erschüttern.
Auch Königin Luise selbst erscheint als Symbol dieses Wandels: die Mecklenburgerin, im Hessischen aufgewachsen, die in einer Liebesheirat mit Friedrich Wilhelm III. zehn Kinder bekam – darunter den späteren ersten deutschen Kaiser. Ihre Persönlichkeit und ihre Zeit prägen den gesamten Roman. Ihr Tod markiert zugleich das Ende einer Epoche.
Besonders reizvoll ist die Verbindung historischer Realität mit literarischer Fiktion. Reale Persönlichkeiten wie Thaer, Hardenberg, Rauch oder der Herzog Karl II. zu Mecklenburg-Strelitz begegnen den erfundenen Figuren ebenso wie Freimaurerideen, traditionelle Vorstellungen und sogar wendische Mythologie. Vieles daran wirkt überraschend modern und ist voller Humor. Selbst die heute gut bekannte Weisheit, dass Beziehungen nur dem schaden, der keine hat, fügt sich dabei harmonisch in den Ton des Romans ein.
Trotz des reichen historischen Hintergrunds verliert Pergande nie den Kern seiner Geschichte aus dem Blick: die Liebe. So bleibt „Die Hofdame der Königin Luise“ vor allem ein lebensfroher Roman über Menschen, Gefühle und die Frage, wie viel Mut nötig ist, um Grenzen in sich selbst zu überwinden – und das sogar mit einem Happy End. rvPergande, F.: Die Hofdame der Königin Luise. Hinstorff, 2026.