In der Romanreihe Harry Potter begegnen uns zahlreiche Lichtgestalten – Figuren, mit denen sich Leserinnen und Leser gerne identifizieren, wie Harry, seine Freunde Hermine, Ron und Neville. J. K. Rowling zeichnet sie differenziert, verleiht ihnen jedoch überwiegend sympathische und bewundernswerte Züge. Andere zentrale Charaktere, etwa Severus Snape oder Draco Malfoy, vereinen Licht und Schatten, Gut und Böse in sich. Doch dann gibt es noch den Erzfeind: den Dunklen Lord, dessen Namen lange niemand auszusprechen wagt.
Hat auch Voldemort gute Seiten? Wenn ja, wann und wie zeigen sie sich? Wie wurde aus dem Waisenjungen Tom Riddle der gefürchtete Lord Voldemort? Was mag in ihm vorgegangen sein, als er den Kampf gegen das Gute aufnahm, das vielleicht einst auch in ihm vorhanden war? Und wie lebt man damit, immer nur als das personifizierte Böse wahrgenommen zu werden und ohne Liebe aufzuwachsen?
Dies sind Fragen, die weit über das eigentliche Romangeschehen hinausreichen. Sie machen aus den Figuren zwar keine Menschen des wirklichen Lebens, nehmen sie jedoch ernst und fragen: Was wäre, wenn sie tatsächlich existierten – als lebendige Menschen, ob Muggel oder Zauberer?
Die Autorin Grace Victoria Candido-Becher ist Designerin, Programmiererin und Co-Moderatorin des Harry-Potter-Podcasts „Alohomora“. Sie geht all diesen Fragen nach und legt ein Buch vor, das die Figur Voldemorts aus einer neuen Perspektive betrachtet. Anhand der sieben Bücher der Reihe analysiert sie seine Persönlichkeit, zeichnet Entwicklungslinien nach und führt die Leserinnen und Leser zu überraschenden Erkenntnissen, auch durch die Erörterungen der Beziehungen der Hauptpersonen zueinander. So eröffnet sich ein neuer Blick auf den faszinierenden Kosmos, den J. K. Rowling erschaffen hat, mit seinen Geistern, Zauberstäben, magischen Tränken und Verwünschungen.
Mit dem gerade erschienenen Band „Voldemort“ setzt der Riva Verlag seine Reihe von psychologisch-analytischen Betrachtungen zu den Gestalten der Harry-Potter-Romane fort, in einer Art des „Headcanonisierens,“ einer Verbindung von im Kanon der Bücher enthaltenen Informationen, Gedankenexperimenten und freien Interpretationen innerhalb der Fangemeinde. Bisher erschienen sind Abhandlungen über Snape, Dumbledore und Malfoy. rvCandido-Becher, G.: Voldemort. Die inoffizielle Biografie des berüchtigten Dunklen Lords. Riva Verlag, 2026.