Die Heide istund bleibt frei!
Seit dem 9. Juli 2009 ist die Kyritz-Ruppiner Heidekeine Militärfläche mehr – Dankgottesdienst am 9. Juli

Eine von vielen Protestaktionen der Bürgerinitiative „FREIe HEIDe“ – hier am 21. Mai 2003 vor dem Potsdamer Landtag.Foto: Bernd Gartenschläger
Gadow. Am 9. Juli jährt sich ein besonderes Ereignis, das sich in das Gedächtnis vieler Menschen in der Region tief eingeprägt hat: Im Jahr 2009 – also vor nunmehr 17 Jahren – wurde vom damaligen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung am 9. Juli das Aus für das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide erklärt. Nach 17 Jahren Widerstand, rund 110 Protestwanderungen mit insgesamt mehr als 350 000 Teilnehmern und fast 30 Klagen hatten es die Menschen geschafft – auf dem Bombodrom-Gelände werden nie wieder militärische Übungen stattfinden. Stattdessen holt sich die Natur seither ihr Reich Stück für Stück zurück.

Das ehemalige Bombodrom ist etwa 12 000 Hektar groß. Mehr als 9000 Hektar davon werden als Fauna-Flora-Habitat mit der Bezeichnung „Wittstock-Ruppiner Heide“ ausgewiesen. Heute ist diese Fläche ein einzigartiger Naturraum und eine der letzten großen Heideflächen Mitteleuropas. Calluna-Heiden, Besenginster und Silbergräser prägen das Landschaftsbild und bilden Lebensräume für vom Aussterben bedrohte Tierarten. Selten gewordene Vogelarten, Fledermäuse, Schmetterlinge und auch der Wolf sind in der Heide zu Hause.

Ein Teil der ehemaligen Bombodrom-Flächen wurde beräumt und ist heute wieder zugänglich. Hier finden Kremserfahrten, Naturbeobachtungen und Themenwanderungen statt. Der Heideturm ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Großteil der Fläche wird aber weiter Sperrgebiet bleiben, zu groß ist dort die Gefahr.

Fast fünf Jahrzehnte wurde das Gelände von sowjetischen Streitkräften als Übungsgelände genutzt. In den Jahren 1952 bis 1956 erfolgte der Ausbau zum Panzer- und Artillerieschießplatz mit Kasernengebäuden, Munitionslager, Tanklager sowie Fahrtrainingsstrecken. Um 1960 wurde der sogenannte Bombenabwurfplatz Rossow ausgebaut. Für die Bevölkerung in der Region war die Nutzung des Platzes eine gewaltige Belastung.

Der letzte Übungsangriff eines Kampfflugzeuges der Russischen Streitkräfte startete am 7. Januar 1993. Im darauffolgenden Sommer verließen die letzten Soldaten die Standorte in Schweinrich und Gadow-Glashütte.

Doch bereits Anfang der 90er Jahre waren erste Pläne der Bundesregierung für eine Weiternutzung aufgetaucht. Nun sollte hier der größte Tiefflugübungsplatz Europas entstehen. Mit der Gründung der Bürgerinitiative „FREIe HEIDe“ im August 1992 begann sich der Widerstand zu formieren, der über 17 Jahre nicht nachgab und schließlich im Jahr 2009 darin endete, dass eine gesamte Region rufen konnte: „Die Heide ist frei!“.Gabriele Elstermann

Anlässlich des 17. Jahrestages der Befreiung der Heide findet am Donnerstag, dem 9. Juli, ab 18 Uhr in der Kirche von Gadow ein Gottesdienst statt, zu dem die Kirchengemeinde Zwischen Dosse und Heide, der Evangelische Kirchenkreis Wittstock-Ruppin und der Förderverein Dorfkirche Gadow e.V. herzlich einladen. Pfarrerin Johanna Güntter leitet den Gottesdienst. Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, wird die Predigt halten.

Der Fest- und Dankgottesdienst dient zugleich als Ort der Erinnerung und der Ermutigung. Er lädt ein, dankbar auf das Erreichte zu blicken und über die Verantwortung für die Zukunft nachzudenken. Die Kyritz-Ruppiner Heide steht heute nicht nur für den Erfolg einer Bürgerbewegung, sondern auch für die Möglichkeit, Konflikte mit Ausdauer, Dialog und Zusammenhalt friedlich zu lösen. Nach dem Gottesdienst wird auf der Streuobstwiese hinter der Kirche die neue Sternenbank eingeweiht. Im Anschluss sind alle Gäste zu einem geselligen Beisammensein eingeladen. WS

Die Bezeichnungen Kyritz-Ruppiner Heide und Wittstock-Ruppiner Heide sind zwei unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Fläche – nur aus unterschiedlicher Sicht.



Druckansicht