Heidelbeere will es sauer
Mit etwas Mühe liefert die Pflanze auch im Garten gute Erträge

Heidelbeeren: Die üblichen Sorten stammen aus Nordamerika. Foto: Adobe Stock/LianeM

„Wir wollen uns bücken – und fleißig pflücken – die Heidelbeeren“, heißt es in einem Kinderlied von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Als der Dichter der Nationalhymne das im 19. Jahrhundert schrieb, hatte er die wilde heimische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) vor Augen, auch Blaubeere genannt. Sie wächst an niedrigen Sträuchern in lichten Nadelwäldern, Mooren und Heiden und bildet kleine, blauschwarze Früchte mit intensivem Aroma, die Mund, Zähne und Hände beim Verzehr blau färben.

Wenn wir heute Heidelbeeren im Supermarkt kaufen, dann handelt es sich dagegen um die Früchte der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Sie sind sehr viel größer, etwas heller, haben ein weißes Fruchtfleisch und einen milderen Geschmack. Im gewerblichen Anbau werden sie fast ausschließlich eingesetzt. Aber auch wer Heidelbeerpflanzen für den Garten kauft, erhält meist Sorten mit Herkunft aus Nordamerika. Bis zu zwei Meter Höhe können die Sträucher erreichen, während das heimische Gewächs auf höchsten 50 Zentimeter kommt

Was die Standortbedingungen angeht, ist die Amerikanische Heidelbeere allerdings besonders schwierig zu handhaben, denn das ursprünglich in Moorgebieten heimische Gewächs braucht ein ausgesprochen saures Substrat. Der pH-Wert sollte ähnlich wie beim Rhododendron zwischen 4 und 5 liegen. Der heimischen Vaccinium myrtillus reicht dagegen ein leicht saurer Boden mit einem pH-Wert von 5 bis 6. Das liegt deutlich näher am neutralen Bereich von 6,5 bis 7,5.

Rhododendron-Erde (zum Schutz der Moore am besten torffrei) entspricht ganz gut den Bedürfnissen der Amerikanischen Heidelbeere. Damit die Pflanze sich auf Dauer im Garten wohlfühlt, braucht sie einen separaten Platz, zum Beispiel mit einem Mörteleimer, der mit ein paar Löchern im Boden in der Erde versenkt und dann mit dem Substrat gefüllt wird. Sonst könnte das Milieu unter dem Einfluss der Umgebung immer weniger sauer werden. Auch sollte zum Gießen möglichst nur Regenwasser genutzt werden, da das in Brandenburg meist ziemlich kalkhaltige Leitungswasser ebenfalls den Boden neutralisiert.

Weitere Tipps, damit die Pflanze dauerhaft Erträge liefert: Nadelstreu, wie es sich unter alten Nadelbäumen bildet, Eichenlaub und Rindenmulch sowie Kaffeesatz sind Materialien, die ebenfalls leicht sauer sind und gelegentlich unter den Sträuchern ausgestreut werden können. Und obwohl Heidelbeeren meist selbstbefruchtend sind, wird der Ertrag höher, wenn man mindestens zwei Exemplare nebeneinander pflanzt.

In einigen Baumschulen oder Gartencentern ist auch die heimische Blaubeere Vaccinium myrtillus zu bekommen, die weniger anspruchsvoll ist. Ihre Beeren sind wesentlich kleiner, aber auch gehaltvoller. Dem blauen Farbstoff Anthocyan werden gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen, zum Beispiel Entzündungen zu hemmen und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Die stark färbenden kleinen Beeren eignen sich gut für Desserts oder Smoothies. net
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