Ein Tag zwischen Papierfabrik,Vollkornbrot und Kulturkloster
Tour de Kyritz: Entdeckungstour zeigt Perspektiven für Brandenburgs ländliche Räume

Auf der Tour de Kyritz lernten Gäste aus Berlin und Brandenburg ländliches Leben kennen. Fotos: Netzwerk Zukunftsorte
Kyritz. Rund 30 Teilnehmende aus Berlin, Brandenburg und der Region sind am 4. Juli gemeinsam durch Ostprignitz-Ruppin gereist, um zu erkunden, wie ländliches Leben abseits von Rückzug und Rückgang aussehen kann.

Eingeladen zur „Tour de Kyritz“ hatten der Think & Do Tank neuland21 und das Netzwerk Zukunftsorte, in Kooperation mit der REG Nordwestbrandenburg und der Stadt Kyritz.

Die Tour führte zu Orten, die beispielhaft zeigen, wie aus Leerstand neue Möglichkeitsräume entstehen: In Hohenofen entwickelt Christin Krause mit Mitstreitern auf dem Gelände der ehemaligen Patentpapierfabrik einen offenen Bildungs- und Kulturort. Im integrativen Dorf Rohrlack setzt die Vollkornbäckerei Vollkern auf regionale Wertschöpfung. Am Bandikower See überzeugten das Ausflugslokal Insl mit kulinarischem und kulturellem Anspruch und der lockere Austausch mit der Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke. Am Nachmittag führten Bauamtsleiterin Melanie Füllgraf und ihre Kollegin Ines Huchel sowie Pressesprecherin Doreen Wolf durch das entstehende Kulturkloster-Quartier – mit Bibliothek im ehemaligen Brennereigebäude, dem im Bau befindlichen Jungen Museum und den sanierten Buddenhäusern. Außerdem besuchten sie den Spielraum, ein kreatives Ladenkonzept für soziale Teilhabe.

Abschließend besichtigte die Gruppe eine leerstehende Immobilie gegenüber dem Rathaus mit deutlichem Entwicklungspotenzial.

Ländliche Regionen stehen vielerorts vor denselben Herausforderungen: Demografischer Wandel und Bevölkerungsrückgang führen zu Leerständen und wachsendem Fachkräftemangel. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin hat seit 1995 fast 14 Prozent seiner Bevölkerung verloren; 62,8 Prozent der leerstehenden Wohnungen gelten dort als struktureller Leerstand. Statt Leerstand nur als Problem zu verhandeln, rückt die „Tour de Kyritz“ bewusst die Potenziale dieser Räume in den Vordergrund – für Menschen vor Ort und für Fachkräfte, die sich ein Leben auf dem Land vorstellen können.

„Mit dem Exkursionsformat machen wir erlebbar, wie lebenswert das Kleinstadtleben in Kyritz und Umgebung sein kann und welche Möglichkeiten der Mitgestaltung es hier noch gibt“, sagt Andrea Nickisch vom Netzwerk Zukunftsorte. Anna Momburg von neuland21 ergänzt: „Ländliche Räume sind längst mehr als Rückzugsorte im Grünen: Sie entwickeln sich zunehmend zu wichtigen Möglichkeitsräumen, in denen innovative Ideen entstehen, neue Formen des Arbeitens und Zusammenlebens erprobt werden und gesellschaftlicher Wandel konkret gestaltet wird.“

Format wie die „Tour de Kyritz“ schaffen genau diesen Perspektivwechsel: Sie machen zukünftige regionale Entwicklung sichtbar, bringen Interessierte mit engagierten Akteuren vor Ort ins Gespräch und öffnen so ganz praktisch neue Wege aufs Land.

Teilnehmerin Fini Ludwig zieht ein positives Fazit: „Danke für den tollen Tag und die inspirierenden Einblicke. Es war wirklich schön zu sehen, mit wie viel Herzblut die einzelnen Projekte verwirklicht und getragen werden. Und Chapeau für das Team der Kommune Kyritz, das so ein Großprojekt wie das Klosterquartier stemmt. Das ist wirklich ein Leuchtturm.“

Die nächste Tour führt am Samstag, 26. September, nach Prenzlau und Umgebung. WS

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