Sie sind wie Bilder,diese Tage

Cover: Verlag

Das Piepen der Kasse, die vorbeieilenden Kunden, Regalkanten, Obstkisten, Backwarencodes und Schichtdienst – das ist Petras Welt. Die junge Frau hört in ihrem Supermarkt schon einmal den Satz: „Wenn du keine guten Noten hast, wirst du später als Verkäuferin enden.“ Petra wurde Kassiererin, obwohl sie fleißig war und Kunst studiert hatte, weil sie mit den Ansprüchen nicht zurechtkam, die sie an sich selbst stellte – in der Malerei, in den Beziehungen zu anderen Menschen.

Die Autorin Anna Beata Háblová lässt in ihrem Roman „Die Schicht“ die Leser ganz dicht an ihre Heldin heran, in den Momenten ihrer tiefen Nachdenklichkeit und Reflexion ebenso wie bei den Abenteuern, die sie erlebt und die sogar die Züge eines Kriminalfalls annehmen. Doppelter Gewinn: Das Porträt einer jungen, suchenden Frau in dieser Zeit und ein präzise beobachteter Einblick in den Alltag in einem Supermarkt unserer Tage, aus der Sicht der Kassiererin, für die wir Kunden nur „Artikel“ sind.

Immer wieder setzt sich Petra daneben mit ihrer Malerei und den künstlerischen Vorstellungen ihrer Professoren und Kommilitonen auseinander. Sie sucht ihren eigenen Weg und reflektiert ihr Verhältnis zur abstrakten Kunst ebenso wie zur Aktionskunst. So entsteht ein Dialog mit dem Leser, der sich moderner Kunst häufig selbst fragend und unsicher nähert. Ihre Ansichten sind mal witzig, mal eher zynisch, sarkastisch. Petra kann sich vom Medium Bild nicht lösen. Sie braucht einen Rahmen, um sich in der Vielzahl der Möglichkeiten nicht zu verlieren, und wenn es ein Keilrahmen ist. Indem sie sich zu ihren eigenen Auffassungen bekennt, löst sie sich von Abhängigkeiten zu anderen Menschen, in denen sie doch nur ausgenutzt wurde. Dass es ihr gelingt, sich zu wehren, verspricht Erfolg, der bis zur Aussicht auf eine eigene Ausstellung führt.

Der Roman lebt von seinen leisen Tönen. Petras oft nach innen gekehrte Reaktionen hängen eng mit der Erinnerung an eine familiäre Katastrophe zusammen, von der sie sich nur langsam befreien kann.

Anna Beata Háblová schöpft aus eigenen umfangreichen Erfahrungen als Schriftstellerin und bildende Künstlerin, die auch in einem Sachbuch über die Geschichte des Einkaufszentrums ihren Ausdruck finden. rv

Háblová, A.B.: Die Schicht. Geparden Verlag, Zürich, 2026.

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