Hunde sind jetztbesonders gefährdet
Der Kiefernprozessionsspinner breitet sich aus – Rüthnicker Baumexperteninformieren, das Gesundheitsamt OPR rät zur Vorsicht

Wer mit Hunden im Wald unterwegs ist, sollte seine Tiere anleinen und auf den Wegen bleiben. Fotos: Tabbert, Adobe Stock/7shinyoung
Ostprignitz-Ruppin. Ihre Prozessionen kann man jetzt beobachten – allerdings sollte man Abstand halten, denn die Kiefernprozessionsspinner stellen für Menschen und Tiere eine Gefahr dar.

Während der Eichenprozessionsspinner seit Jahren regelmäßig Schlagzeilen macht – wie jüngst im Spreewald – , ist sein naher Verwandter, der Kiefernprozessionsspinner in Deutschland bislang deutlich weniger bekannt. Nach Einschätzung von Baumexperten verdient diese Art jedoch wesentlich mehr Aufmerksamkeit – insbesondere in Regionen mit ausgedehnten Kiefernwäldern.

Der Kiefernprozessionsspinner ist ein Nachtfalter und bevorzugt – wie sein Name es vermuten lässt – Kiefern und bildet dort auffällige Gespinste in den Baumkronen. Seine Raupen entwickeln ab dem dritten Larvenstadium feine Brennhaare, die das Eiweißgift Thaumetopoein enthalten, das bei Menschen und Tieren gesundheitliche Beschwerden auslösen kann.

Robert Tabbert von der Firma Ast & Strauch Tabbert aus Rüthnick hat durch seine Arbeit als Baumkontrolleur, Gutachter und Baumpfleger inzwischen immer wieder Kontakt mit dem Kiefernprozessionsspinner. „Der Kiefernprozessionsspinner hat etwa Baumbestände im Kiefernwald bei Rüthnick und auch bei Schönberg befallen“, erklärt Robert Tabbert. Beim Gesundheitsamt OPR gingen Meldungen aus Krangen und Zippelsförde ein. Dass er sich in der Region weiter ausbreitet, ist für die Experten nur eine Frage der Zeit.

Zur Nahrungssuche oder zur Verpuppung verlassen die Kiefernprozessionsspinner den Baum und wandern in langen Reihen über den Boden. Diese Wanderungen kann man jetzt beobachten. Während sich die Raupen später im Boden verpuppen, verbleiben zahlreiche Brennhaare in der Umgebung.Vor allem für Hunde stellt dies eine große Gefahr dar. Hunde erkunden ihre Umgebung mit Nase und Maul. Dadurch kommen sie wesentlich häufiger mit den Raupen und den Brennhaaren in Kontakt als Menschen. Bereits geringe Mengen können schwere Reizungen verursachen. Zu den Symptomen beim Hund gehören starkes Speicheln, Schwellungen an Lippen, Zunge oder Maul, Schmerzen, Unruhe, Schluckbeschwerden und Atemprobleme. In einem solchen Fall sollte unverzüglich ein Tierarzt kontaktiert werden.

Aber auch die Gefahr für Menschen ist nicht zu unterschätzen. Der Kontakt mit den Brennhaaren kann Reizungen, Rötungen, Atembeschwerden und allergische Reaktionen verursachen. Generell gilt: Gespinste und Raupen nicht berühren, Abstand zu befallenen Bäumen halten, Kinder fern halten, Hunde anleinen und auf den Wegen halten. Am besten sollte man befallene Waldgebiete überhaupt nicht betreten.

In der Forstwirtschaft und Baumpflege versucht man gezielt, die natürlichen Feinde zu fördern. Nistkästen für Meisen und Wiedehopfe sollen helfen, den Schädlingsdruck im Frühjahr auf biologische Weise einzudämmen, berichtet Robert Tabbert. Der Kuckuck ist der bekannteste Fressfeind des Kiefernprozessionsspinners. Seine Magenwand ist so dick und robust, dass ihm die Brennhaare nichts anhaben können. WS



Druckansicht