„Ich denke, dass Siemeine Unschuld zu beweisen haben“

Cover: Verlag
Wenn Bernd Hesse, Doktor der Kulturwissenschaften und Doktor der Juristerei, über Kriminalfälle schreibt, denen er in seiner Praxis begegnet, dann ist das immer sehr vielschichtig. Es geht um das Verbrechen selbst und um dessen kriminalistische, kriminaltechnische und rechtsmedizinische Aufklärung. Es geht um die Arbeit der juristischen Instanzen, ihre Stärken und Schwächen, insbesondere aus der Sicht des Verteidigers.

Die Leser bekommen einen Einblick in die Arbeit seiner Anwaltskanzlei In Frankfurt/Oder, die mit sehr viel Humor geschildert wird. Und im Mittelpunkt stehen immer Menschen, ihre Wege, Abwege und Motive. So auch in dem neuen Band, der gemeinsam mit dem erfahrenen Rechtsmediziner Dr. Bernd Kopetz entstanden ist, und so dessen beruflichen Alltag anschaulich vermittelt.

Hesse lässt uns in Abgründe und Verwirrungen menschlichen Denkens und Handelns blicken. Er hat Verständnis für diejenigen, die eine strengste und konsequente Bestrafung der Täter fordern, und erläutert ausführlich, wie die Behandlung von Verdächtigen im deutschen Rechtssystem abläuft. Er weiß um die Vorurteile, die Anwälten oft entgegengebracht werden – und auch um Versuchungen und zweifelhafte Praktiken. Die Unschuld eines zu Unrecht Verdächtigten zu beweisen, ist häufig Gegenstand von Filmen und Büchern. Der Jurist sieht sich jedoch oft mit der Situation konfrontiert, rechtsstaatlichen Umgang mit solchen Menschen zu gewährleisten, an deren schwerer Schuld kein Zweifel besteht und die dennoch Wunder erwarten.

Auch wenn in den vier authentischen Fällen des Buches „Tod im Rapsfeld“ überwiegend Mord und Suizid die Aufmerksamkeit fesseln, gehen die beiden Autoren auch auf viele andere Vorgänge ein, mit denen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in ihrer Tätigkeit konfrontiert sind – von Arbeitsrechtsauseinandersetzungen über indirekte Vaterschaften bis zur Geldwäsche. Es gibt dabei immer wieder Überraschungen, die in ihrer Brutalität auch Verteidiger und Rechtsmediziner an ihre Grenzen bringen, und nachvollziehbar wird ebenso die Naivität mancher Täter, so dass die ReFa (Rechtsanwaltsfachangestellte) Doreen Rückmann stöhnt: „Den Quereinsteigern unter den Berufsverbrechern sollte man ein Mindestmaß an Fortbildung gewähren“.

Ein spannender, anschaulicher, informativer und unterhaltsamer Band aus dem Verlag „Das Neue Berlin“ über wahre Kriminalfälle aus der Nachbarschaft. rv

Hesse, B., Kopetz, B.: Tod im Rapsfeld. Verlag Das Neue Berlin, 2026.

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