Heilfasten hilft bei vielen Krankheiten, sagt Andreas Michalsen, Internist und Chefarzt am Immanuel-Krankenhaus in Berlin-Wannsee mit Stiftungsprofessur für Naturheilkunde an der Berliner Charité. Bei Rheuma, Arthritis, Bluthochdruck, Diabetes, aber auch neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose seien gute Erfolge erzielt worden, zählt er auf, außerdem bei Darmstörungen, etwa Lebensmittelunverträglichkeiten.
In der Frühgeschichte der Menschheit war es normal, über mehrere Tage nichts zu essen, sagt Michalsen. „Der Körper schaltet dann um auf sein Überlebensprogramm und geht an die Reserven“, erklärt er. Fettpolster werden abgebaut und in der Leber in sogenannte Ketonkörper verwandelt, die als Ersatzzucker Energie liefern. Autophagie heißt der Prozess. Mit „Selbstfressen“ ließe sich das übersetzen. Auch alte Zellbestandteile werden vermehrt aufgelöst und neue gebildet. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass sich durch Fasten etwa rheumatische Entzündungen zurückdrängen lassen.
Auf dem Fastenhof Behm in Flecken Zechlin (Ostprignitz-Ruppin) werden verschiedene Formen des Fastens angeboten. Neben der klassischen Buchinger-Fastenkur etwa das Basenfasten, bei dem eine auf vor allem Gemüse reduzierte Kost angeboten wird. „Wir haben sehr viele Wiederkehrer, die ein bis zweimal im Jahr zu uns kommen“, sagt Inhaberin Susanne Behm. Ausgebildete Fastenbegleiter leiten die Teilnehmer an, etwa beim Entlastungstag mit Darmentleerung zu Beginn und beim Kostaufbau am Schluss. Begleitend gibt es etwa Yoga, Qigong und Vorträge zu Ernährung, außerdem tägliches Wandern. Die Bewegung im Wald sorgt dafür, dass die Muskelkraft nicht nachlässt und unterstützt die Stressreduktion. „Die Effekte halten an, wenn man danach bewusst mit der Ernährung umgeht“, sagt Susanne Behm. Auch bei Übergewicht könne Fasten der Auslöser für einen gesunden Neuanfang sein.
Heilfasten erfahre inzwischen eine immer größere wissenschaftliche Anerkennung, sagt Andreas Michalsen. „Natürlich ist es kein Allheilmittel“, schränkt er ein. Aber jeder könne für sich ausprobieren, mit welcher Methode er die besten Ergebnisse erziele. Die ersten ein bis zwei Tage seien für die meisten Fastenden nicht angenehm, aber danach stelle sich bei manchen sogar eine gewisse Euphorie ein. Wichtig sei es vor allem, viel zu trinken und sich viel zu bewegen.
Nicht geeignet ist das Fasten für Menschen mit Gallenkolik oder Gicht. Schwierig sei es auch bei Essstörungen, Untergewicht oder Magersucht, erklärt Andreas Michalsen. Solche Personen sollten, wenn überhaupt, nur in der Klinik unter Aufsicht fasten. Wer regelmäßig Medikamente einnehme, sollte das vor dem Fasten mit seinem Arzt besprechen und eventuell die Dosis reduzieren.
Als Alternative zum strengen Heilfasten empfiehlt Naturheilkundler Andreas Michalsen das sogenannte Scheinfasten und hat dazu selbst ein Buch mit Anleitungen und Rezepten verfasst. Beim Scheinfasten wird meist über fünf Tage auf tierische Produkte, Zucker, Brot und Nudeln komplett verzichtet und nur eine beschränkte Kalorienmenge eingenommen. Auch der Ein- und Ausstieg und die Integration in den Alltag seien dabei einfacher. Klassisches Heilfasten dagegen sei nur schwer mit dem Arbeitsalltag zu verbinden. „Stress und Fasten verträgt sich nicht gut“, sagt er. Da sei es meist besser, sich die Tage frei zu nehmen. netFasten ist in fast allen Religionen als Praxis eines zeitweiligen Verzichts anzutreffen. Katholische Christen kennen die Fastenzeit vor Ostern, Moslems den Fastenmonat Ramadan. Im Judentum gibt es über das Jahr verteilte Fastentage. Auch der Hinduismus kennt Praktiken des Fastens.Beim Intervallfasten werden die Essenszeiten so getaktet, dass täglich lange Phasen ohne Nahrungsaufnahme entstehen. Bei der 16:8-Methode wird über einen Zeitraum von 16 Stunden, zum Beispiel von 20 Uhr abends bis 12 Uhr mittags, auf Essen verzichtet.