Samen aus eigener Ernte
Wer jetzt sammelt, kann im kommenden Jahr Sommerblumen aussäen

Foto: Adobe Stock/Caroline Yoachim
Die Natur ist oft verschwenderisch. Gut zu sehen ist das beispielsweise an einjährigen Sommerblumen. Den Winter überdauern sie in Form der Samen, aus denen im kommenden Frühling neue Pflanzen entstehen. Von denen produzieren sie so reichlich, dass die Tierwelt über Wochen im Luxus schwelgen kann. Wenn die Sonnenblumen verblüht sind, beginnt ein Festmahl für viele Vögel, die sich an die schweren Blütenköpfe hängen, um die Samen zu fressen.

Für Gärtner ist es jetzt der passende Zeitpunkt, Samen für die Aussaat zu sammeln. Saatgut ist schließlich nicht ganz billig, während es im eigenen Garten kostenlos zu haben ist. Und was sich im Beet bewährt hat, ist im Laden vielleicht nicht mehr in gleicher Form erhältlich.

Für die Saatgutgewinnung eignen sich neben Sonnenblumen zum Beispiel Zinnien, Cosmea, Ringelblumen, Jungfer im Grünen, Natternkopf oder Löwenmäulchen. Das gilt natürlich nur, wenn man für die Aussaat kein Hybrid-Saatgut gekauft hat. Hybridsorten sind nicht samenfest, die Pflanzen der zweiten Generation hätten nicht mehr die gewünschten Eigenschaften.

Ansonsten gilt: Wer Saatgut gewinnen will, wartet, bis die Samen reif und trocken sind. Das ist manchmal gar nicht so einfach. An einem Tag sind die Pflanzen noch vom Regen feucht, am nächsten sind die Samen schon herausgefallen oder vom Wind fortgetragen. Am besten werden die Fruchtstände abgeschnitten und ins Haus gebracht, um dort noch einige Tage nachzutrocknen. Danach werden die Samen von den übrigen Bestandteilen getrennt und abgefüllt.

Dafür können kleine Papiertütchen verwendet werden, wie sie als Butterbrottüten erhältlich sind, oder auch kleine Säckchen aus Stoff oder Gaze. Die Tütchen werden sofort gut beschriftet und an einem kühlen und trockenen, möglichst gut belüfteten Ort gelagert. Das sorgfältige Beschriften der Tütchen ist wichtig, denn jede Samenart hat zwar ihre Charakteristika, aber Verwechslungen sind trotzdem leicht möglich.

Es empfiehlt sich, für die Samengewinnung ausschließlich gesunde und kräftige Pflanzen auszuwählen. Bei diesen können wir annehmen, dass auch die Nachkommen gute Anlagen mitbringen. Die Samenstände sollten voll ausgereift sein. Je nach Art bleiben die Samen bei guter Lagerung etwa zwei bis fünf Jahre keimfähig.

Die nicht genutzten Samenstände sollten im Garten stehen bleiben. Die Tiere freuen sich über das Nahrungsangebot und tragen zusammen mit dem Wind für eine natürliche Aussaat der Pflanzen bei. Manche Arten gelangen so an Standorte, die ihnen der Gärtner nie zugewiesen hätte und an denen sie mitunter viel besser gedeihen als an ihrem klassischen Platz im Beet. Zudem bekommt die Gartengestaltung auf diese Weise einen Moment der Unberechenbarkeit, der für zusätzliche Reize sorgt. Auch sind die Blütenstängel etwa der Sonnenblumen oft Lebensraum für Insektenlarven, die dort den Winter überdauern. Der passende Zeitpunkt, um im Beet aufzuräumen, ist daher das Frühjahr vor Beginn der neuen Saison, nicht der Herbst. net
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