Zwei Mitarbeiter können über diese 35 Jahre aus eigenem Erleben berichten, denn sie arbeiten hier von Beginn an. „Das sind aus dem Handwerker-Bereich Ulrich Blüthmann sowie die Prokuristin Cornelia Winter“, sagt der Geschäftsführer. Mit der Gründung 1990 wurden die Grundstücke der Stadt Perleberg und der Gemeinde Karstädt in die neue GmbH eingebracht. Der Wohnungs- und Gewerbebestand hat sich von circa 2500 Einheiten auf, Stand jetzt, circa 1500 reduziert. „Das hatte mehrere Ursachen“, erklärt Geschäftsführer Ronald Otto. „Hauptgrund gleich nach der Wiedervereinigung war die massive Rückübertragung von Gebäuden an die Alteigentümer. Veräußert wurden damals auch kleinere Einheiten wie Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften.“
Es gab dafür auch politische Gründe. Den neuen Wohnungsunternehmen wurden Kredite aus DDR-Zeiten als Altschulden angerechnet, die sie bedienen mussten. „Durch den Verkauf von Wohnungen, sowie Umwandlung in Eigentumswohnungen, wurde uns ein Teil der Altschulden erlassen“, so Ronald Otto. Ein Teil der Wohnungen wurde in den vergangenen Jahren zurückgebaut, beispielsweise in Perleberg Ost. Auch der Bestand in Karstädt blieb vom Rückbau nicht verschont. Seit 2015 wurden hier 130 Wohneinheiten vom Markt genommen.
In den Anfangsjahren des jungen Wohnungsunternehmens stand der konventionelle Wohnungsbau im Vordergrund. Darüber hinaus galt es, mit der Bestandssicherung die Mängel aus DDR-Zeiten zu beseitigen. Viele Wohngebäude aus den 1960er Jahren, damals noch mit Beistellherden und Kohlebadeöfen ausgestattet, weisen heute einen modernen Standard aus. Doch die GWG besitzt in Perleberg nicht nur Häuser im Stadtteil Perleberg Ost, sondern auch in der historischen Innenstadt. Seit den 1990er Jahren wurden die Gebäude nach und nach saniert. „Mit der Akquise von Fördermitteln ist es uns gelungen, die Innenstadt zu beleben. Wir haben hier nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbeflächen geschaffen“, so Otto.
Diese Gewerbeflächen werden bis in die Gegenwart genutzt – oft noch von den ersten Mietern. Ein Beispiel sei der Juwelier Preuß. Nach dem Umbau des Hotels „Am Rathaus“ am Großen Markt 2 zu einem Wohn- und Geschäftshaus ist Michael Preuß mit seinem Juwelier-Geschäft dort eingezogen. Weitere positive Beispiele seien die Zahnarztpraxis in der Wittenberger Straße, die historische Fleischerei in der Poststraße, in der heute das Raffinarium zu finden ist, sowie das Hotel Stadt Magdeburg. „Dieses konnten wir vor der Insolvenz bewahren und es wieder verpachten“, so Ronald Otto. Auf dem Gelände befand sich früher noch eine Kfz-Werkstatt. Diese wurde ebenfalls umgebaut, bietet heute dem Schützenverein der Rolandstadt eine Heimstätte. Letztlich sei es auch der GWG zu verdanken, dass Perleberg heute noch ein Kino hat. Aus einer stillgelegten Turnhalle wurde das Kino mit zwei Sälen in der Uferstraße. Seit 1995 betreibt die GWG im Auftrag der Stadt Perleberg das Schwimmbad, den Tierpark und den Jahnsportpark.
Es gehe nicht nur darum, Wohnungen und Gewerberäume zu vermieten, sondern diese zu modernisieren beziehungsweise neu zu schaffen. So trägt die GWG weiter zur Innenstadtsanierung bei. Im Jahr 2022 wurde das Haus Großer Markt 11 übergeben. „Hier haben wir aus drei Gebäuden eins gemacht“, sagt Ronald Otto. Aktuell werde mit Bau und Sanierung der beiden Häuser Heilig-Geist-Straße 3 und 4 das dortige Areal abgeschlossen. Ebenfalls im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde die Sanierung Puschkinstraße 12. Im Nachbarhaus, in der Mühlenstraße 19, wird noch gebaut. In den vergangenen Jahren hat die GWG in Absprache mit der Stadt das Thema Kaiserliche Kasernen aufgegriffen. Auch dieser Bereich soll wieder entwickelt werden. „Wenn alles gut geht, können wir im Frühjahr 2026 mit den Baumaßnahmen beginnen, das ehemalige Stabsgebäude zu einem Gesundheitscampus entwickeln und umgestalten.“ Kurz nach dem Geburtstag am 27. Dezember blickt Ronald Otto optimistisch in die Zukunft. „Wir sind gut aufgestellt, sind inzwischen ein modernes Wohnungsunternehmen und ein verlässlicher Partner für die Gesellschafterkommunen Perleberg und Karstädt.“ dre