Die Kinder mögen Praxis-Hund Monty
Victoria Pöhl hat eine Beratungsstelle für Familienund Lerntherapie nach Maria Montessori eröffnet

Wittenberge. Wölkchen mit Duft von Citrusöl entströmen einem Diffuser in der Ecke. „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Citrusöl hilft, die Konzentration zu steigern”, sagt Victoria Pöhl. Die junge Frau hat vor einem Jahr eine Beratungsstelle für Familien in Wittenberge eröffnet. Sie bietet Familienberatung, Lerntherapie und Unterstützung bei herausfordernden Alltagssituationen an. Hilfreich dabei ist nicht nur das Citrus-Öl, sondern in größerem Maße auch Praxis-Hund Monty.

Von 2014 bis 2018 studierte Victoria Pöhl Heilpädagogik und Transdisziplinäre Frühförderung in Berlin. Berufliche Erfahrung sammelte sie als Sonderpädagogin von 2018 bis 2024 an der Montessori-Grundschule Wittenberge. Zum 1. November 2024 ging die ausgebildete Montessori-Pädagogin den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Dabei und bei der Suche nach geeigneten Praxisräumen erhielt sie Unterstützung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Technologie- und Gewerbezentrums Prignitz.

„Ich arbeite mit Menschen vom Kita-Alter bis zum Erwachsenen. Psychologische Beratung gehört auch dazu. Meine Klientinnen und Klienten sind aber überwiegend Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur zehnten Klasse. Häufig leiden sie unter Lernschwierigkeiten wie Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie oder auch unter Ängsten und anderen belastenden Alltagsthemen”, so die 31-Jährige. Mit 38 betreuten Familien ist ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Sie arbeitet täglich von 7 bis 18, oft bis 19 Uhr. Dreimal pro Woche ist sie in Schulen unterwegs.

Besonders beliebt bei den jungen Besuchern ist Praxis-Hund Monty. Die sechsjährige französische Bulldogge trägt nicht nur zum Wohlfühlen der Kinder bei, sondern ist in gewisser Weise auch ein Therapiehund. „Mit Monty habe ich schon in der Schule gearbeitet. Dabei konnte er den Umgang mit Kindern proben. Der Hund hat eine tolle Wirkung auf Kinder. Die Kinder werden schnell aufgeschlossen”, stellte sie fest.

„In einem Erstgespräch mit Kindern und Eltern werden die Bedarfe ermittelt. Kinder haben hier einen Raum, zu erzählen, was ihnen auf der Seele brennt. Es gibt allerdings auch Regeln. Wir gehen wertschätzend mit Materialien um und wir schreien nicht”, beschreibt sie dem Umgang. Die Kinder werden sehr achtsam. Manchmal, wenn Kinder krank werden, möchten sie trotzdem zur Lerntherapie kommen. Ihre größte Sorge dabei ist dann, dass sie Monty anstecken könnten.

„Zu mir kommen Kinder mit Diagnosen. Lerntherapie ist kein Nachhilfeunterricht. Es geht langfristig darum, Strategien aufzubauen. Jeder Mensch ist anders. Deshalb wird die Lerntherapie individuell gestaltet. Konzentrationsübungen gehören immer dazu.”

Eine Lerntherapie-Einheit dauert 45 Minuten und ist eine Einzeltherapie, bei der sie gemeinsam mit dem Kind hauptsächlich am Teppich arbeitet. „Wir üben die Rechtschreibung, lernen in Bildern. Es gibt ein bewegliches Alphabet, mit dem die Kinder das Alphabet besser lernen können.” Unter anderem wendet sie Montessori-Methoden an. „Ich bin unfassbar begeistert von der Lehre Maria Montessoris. Die Kinder lernen auf einem ganz anderen Level. Das hätte ich früher auch gern gehabt”. „Bei dir vergeht die Zeit viel schneller als in der Schule”, hört sie oft die Kinder sagen.

Ein Corona-Infekt warf sie 2021 aus der Bahn. Etwa eineinhalb Jahre lang litt sie an Long COVID. „Plötzlich saß ich in der Reha, musste mich zurück ins Leben kämpfen. Das brachte mir auch beruflich neue Erfahrungen. Jetzt weiß ich, wie sich die Kinder fühlen, wenn sie sich nicht konzentrieren können”, resümiert sie.

„Ich versuche mich gut zu vernetzen, war auch kürzlich bei der Eltern-Messe in Bad Wilsnack. Ich möchte ein Netzwerk aufbauen. Langfristig habe ich die Vision, ein großes Gesundheitshaus aufzubauen mit Stillberatung, Physiotherapie und allem was dazugehört”, sieht sie in die Zukunft.

„Im Moment ist es so, dass alle Eltern die Lerntherapie selbst bezahlen. Die Kosten der Lerntherapie können die Familien steuerlich geltend machen. Es gibt eine Kooperation mit dem Jugendamt. Wenn das Jugendamt die Lerntherapie als Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII bezahlt, darf ich eine Summe X abrufen. Aber das funktioniert noch nicht so gut. Eine weitere Möglichkeit ist das Bildungs- und Teilhabepaket für einkommensschwache Familien. Eine Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen ist nicht vorgesehen”, beschreibt sie die Finanzierung ihrer Arbeit.

Anfang Februar begann für Victoria Pöhl ein kleiner Neustart. Mit ihrer Praxis ist die ehemalige Putlitzerin in die Wittenberger Rathausstraße 1 umgezogen. „Das ist ganz praktisch. Da haben wir eine Fußbodenheizung. Das macht sich gut, wenn wir am Lernteppich sitzen”, freut sie sich. Jens Wegner





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