Professor Johannes Varwick geht in seinem Buch „Stark für den Frieden“ dieser Frage nach. Der Politologe berichtet davon, wie schwer es ist, in der öffentlichen Diskussion alternativen Überlegungen Raum zu geben. Zwar verurteilt er klar die Aggression Russlands in der Ukraine und versteht Russland als eine Bedrohung für die europäische Stabilität, verweist aber zugleich darauf, dass Politik und Diplomatie eine realpolitische Basis haben müssen und sich nicht allein an Werten orientieren dürfen – insbesondere in einer Zeit, in der demokratische Grundsätze in vielen Ländern nur wenig geachtet werden.
Man müsse miteinander auf diesem Planeten auskommen – und das möglichst dauerhaft. Nicht aus Sympathie, sondern aus Risikovermeidung. Nicht durch Hochrüstung, sondern durch Deeskalation und Abrüstung.
Nach einer ausführlichen Analyse des Wandels von Krieg, Terrorismus und von Sicherheitsbegriffen in den letzten Jahrzehnten stellt der Autor Bausteine einer rationalen Sicherheitspolitik vor. Er behandelt die Möglichkeiten und Grenzen der Vereinten Nationen ebenso wie Deutschlands Beteiligung an der EU-Friedenssicherung, kritisiert die Vernachlässigung der Diplomatie, schreibt über die notwendige Einhegung der Rüstungsindustrie sowie über ökologische und entwicklungspolitische Aspekte und geht auch auf europäische Nuklearwaffen ein. Der Politikwissenschaftler, der neben langjähriger Lehrtätigkeit an deutschen Universitäten Präses des Wissenschaftlichen Forums für Internationale Sicherheit ist, begründet zudem, warum er Pazifismus nicht für die richtige Antwort hält.
Varwicks Darstellungen sind mit Dokumenten, Zitaten und Fakten belegt, lesen sich jedoch flüssig und spannend für jeden, den die internationale Lage nicht kalt lässt. Das 175 Seiten starke Buch endet mit zehn Vorschlägen, was jetzt zu tun ist, um für den Frieden gerüstet zu sein. rvVarwick, J.: Stark für den Frieden. Westend Verlag, 2026.