„Die Nachfrage nach qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern ist hoch“, sagt Thorsten Busch, Brunnenbauermeister und Ausbilder beim BAU ABC im niedersächsischen Bad Zwischenahn. Dort findet ergänzend zur betrieblichen Ausbildung die bundesweite überbetriebliche Ausbildung statt – auch für Auszubildende aus Brandenburg. An modernen Maschinen und Geräten lernen sie die verschiedenen Bohr- und Ausbauverfahren kennen. Zum Einsatz kommen unter anderem Trocken- und Spülbohrungen, teilweise unterstützt durch Kamerabefahrungen, um geologische Schichten sichtbar zu machen. Häufig gehen den eigentlichen Arbeiten Probebohrungen voraus, um den Baugrund genau zu untersuchen.
In der Regel reichen Brunnenbohrungen bis in Tiefen von rund 100 Metern, um Grundwasser zu erschließen. Bei Projekten zur Nutzung von Erdwärme können es jedoch 1000 Meter und mehr sein. Die Arbeit erfordert ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Da Baustellen oft außerhalb der Region liegen, sind Brunnenbauer viel unterwegs – auch Betriebe aus Brandenburg arbeiten regelmäßig jenseits ihres Bundeslandes.
Durch den Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt der Beruf zusätzlich an Bedeutung. Besonders die Nutzung von Geothermie sorgt für steigende Nachfrage nach Bohrungen, etwa für Wohn- und Gewerbebauten. Gleichzeitig stellt der Klimawandel neue Herausforderungen: Sinkende Grundwasserspiegel machen es vielerorts notwendig, bestehende Brunnen zurückzubauen und neue, tiefere Anlagen zu erstellen. Brunnenbauer leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Ressource Wasser, indem sie Brunnen fachgerecht herstellen und vor Schadstoffeinträgen sichern.
Zum Berufsbild gehört es, mithilfe geologischer Kenntnisse geeignete Bohrstandorte zu bestimmen, Brunnen zu bauen sowie Pump- und Förderanlagen zu installieren. Gearbeitet wird mit leistungsstarken, meist spezialisierten Maschinen, deren Wartung und Reparatur ebenfalls zu den Aufgaben zählen.
Voraussetzung für die dreijährige Ausbildung ist in der Regel ein erfolgreicher Schulabschluss. Handwerkliches Geschick, Sorgfalt und körperliche Belastbarkeit sind ebenso gefragt wie Interesse an umwelttechnischen und technischen Zusammenhängen. Die Ausbildung vermittelt Kenntnisse von der Arbeitsplanung über vertikale und horizontale Bohrverfahren bis hin zur Installation von Wasserförderungsanlagen.
Nach dem Abschluss stehen verschiedene Weiterbildungswege offen. Mit dem Meisterbrief sind Führungsaufgaben und die Ausbildung des Nachwuchses möglich. Auch Qualifikationen im betriebswirtschaftlichen Bereich oder ein Studium, etwa in Geologie, Wasserwirtschaft oder Bauingenieurwesen, eröffnen zusätzliche Perspektiven. Aufgrund des Fachkräftebedarfs bieten sich zudem Chancen für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger – auch in Betrieben im Land Brandenburg. net