Die Karwoche spielt vielerorts eine zentrale Rolle: Vom Gründonnerstag bis zum Ostersonntag erinnern Gottesdienste an Leiden und Auferstehung Christi. Oft zieht es selbst Menschen, die sonst selten religiöse Feiern besuchen, in die nächtlichen Ostergottesdienste.
Eier sind fast überall das zentrale Symbol des Festes. Ob kunstvoll bemalt, rot gefärbt oder schlicht gekocht – sie stehen für neues Leben und Erneuerung. In vielen Ländern ist das sogenannte Eierklopfen beliebt: Zwei Menschen schlagen Eier gegeneinander, und wessen Schale heil bleibt, dem soll Glück bevorstehen.
Neben der religiösen Bedeutung gilt Ostern vor allem als Familienfest. In den Niederlanden gehört ein ausgedehnter Osterbrunch ebenso dazu wie das gemeinsame Bemalen oder Suchen von Eiern. Kinder folgen versteckten Schokoladeneiern im Garten oder Wohnzimmer – ein Brauch, der sich in ähnlicher Form bis in die USA oder Indonesien wiederfindet. In den USA wird Ostern oft spielerisch gefeiert: Kinder erhalten Osterkörbe voller Süßigkeiten, in Parks finden mancherorts große Ostereiersuchen statt, bei denen teils sogar größere Gewinne versteckt sind. Der Fokus liegt weniger auf religiöser Symbolik als auf dem gemeinschaftlichen Erleben.
In Australien hat das Fest ebenfalls einen eher lockeren Charakter. Viele Menschen verbringen die Feiertage am Strand oder im Park. Statt des klassischen Osterhasen taucht dort zunehmend der Bilby auf – ein heimisches Beuteltier.
Einige Traditionen wirken aus unserer Perspektive kurios. In Polen verwandelt sich der Ostermontag beim sogenannten Smigus-Dyngus in eine große Wasserschlacht. Menschen bespritzen sich gegenseitig – ein Brauch, der ursprünglich auf Fruchtbarkeitsrituale zurückgeht. Noch spektakulärer geht es auf der griechischen Insel Korfu zu: Dort werfen Bewohner am Karsamstag Tontöpfe aus den Fenstern, die auf den Straßen zerschellen. Das Spektakel symbolisiert das Ende des Alten und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts.
In Finnland ziehen Kinder als kleine Hexen verkleidet von Haus zu Haus, überreichen geschmückte Weidenzweige und erhalten dafür Süßigkeiten – eine Mischung aus Frühlingsritual und moderner Kindertradition, die an Halloween erinnert. In Norwegen gehört ausgerechnet das Verbrechen zu Ostern: Beim „Påskekrim“ lesen Menschen Kriminalromane oder verfolgen Thriller-Serien. In Lettland wird geschaukelt, um Glück für das kommende Jahr zu bringen, und Eier werden mit Zwiebelschalen gefärbt. Eine besondere belarussische Tradition ist das „Walachobstwo“. In der Osterzeit ziehen vor allem junge Dorfbewohner singend von Haus zu Haus, begleitet von Musik und Segensliedern. Die Gastgeber bedanken sich mit Eiern, Speisen oder kleinen Gaben. rv