Radieschen haben eigentlich den Ruf, ein besonders unkompliziertes Gewächs zu sein. Sie keimen schnell, wachsen auch in wenig nährstoffreichen Böden und kommen flott zur Reife. Oft sind sie schon vier Wochen nach der Aussaat erntereif. Das scharfe Gemüse, dessen Name sich vom lateinischen radix für Wurzel ableitet, wird klassisch roh in Scheiben geschnitten, aufs Brot gelegt und mit etwas Salz bestreut. Auch zu Quarkdipp oder im Salat schmeckt es gut.
Mitunter bereiten die Radieschen aber auch Kummer. Dann nämlich, wenn bei den Pflanzen die Stängel früh in die Höhe wachsen, noch bevor sich die kugelige, meist rötlich-violette Knolle ausgebildet hat. Stattdessen wird die dünne Wurzel holzig und ungenießbar. Die Gärtner sprechen dann vom Schießen. Für solch ein Ärgernis kann es mehrere Gründe geben. In vielen Fällen wurden die Samen zum falschen Zeitpunkt ausgesät. Die meisten Radieschen-Sorten mögen keine hohen Temperaturen. Wird es im Sommer zu warm, geraten sie in Stress und wechseln in ein Notprogramm. Die Wurzel bleibt klein, dafür wächst der Stängel in die Höhe und bildet rasch Blüten. Andere Gründe hierfür können sein, dass die Pflanzen zu dicht stehen, nicht genügend Sonne bekommen oder nicht ausreichend und gleichmäßig gewässert wurden. Manchmal wurden aber auch einfach zu viele Radieschen ausgesät. Dann gelingt es nicht, die Ernte schnell genug zu verbrauchen. Sind die Pflanzen zu lange über der Zeit, werden auch bei gut ausgereiften Gewächsen die Knollen holzig und die Stängel schießen in die Höhe.
Die wichtigste Gegenmaßnahme ist, das richtige Saatgut für den jeweiligen Aussaatzeitraum zu verwenden. Frühe Sorten können meist bis Ende April in die Erde. Danach greift man zu speziellen Züchtungen, die hitzeverträglich sind und nicht so schnell schießen. Für eine Aussaat ab August gibt es noch einmal andere Sorten, die warmen Boden bei der Aussaat und abnehmende Temperaturen sowie kürzere Tage bei der Reife vertragen.
Bei Salaten ist das übrigens ganz ähnlich. Salatsorten für das Frühjahr kommen bei einer zu späten Aussaat schnell ins Schießen, ohne Blattmasse zu bilden. In der warmen Jahreszeit eignen sich nur spezielle Züchtungen, die meist als Sommersalat angeboten werden. Zu spät ausgesäte Frühjahrssorten dagegen werden zum Reinfall. Die geschossenen Pflanzen landen dann auf dem Kompost – oder man lässt sie stehen, um sich an den zierlichen Blüten zu erfreuen, die zahlreiche Insekten anlocken.
Bei den Radieschen gibt es noch eine zusätzliche Attraktion. Wenn sie ins Schießen und zur Blüte kommen, bilden sie schnell kleine Samenschoten. Wer diese abpflückt, wenn sie noch zart und grün sind, kann sich über einen leicht nussigen Geschmack freuen, der nur einen Hauch von radieschenhafter Schärfe hat. Die Schoten können auch kleingeschnitten einen bunten Gartensalat verfeinern. net