„Ohne Buchdruckergäbe es keine Literatur“
Freiwilliges Soziales Jahr in kulturorientierten Handwerksberufen

Manja Schüle (SPD), Wissenschafts- und Kulturministerin.Foto: Cathrin Bauer/Staatskanzlei
brandenburg. Ob in einer Glasbläserei, im Musikinstrumentenbau oder in einer Kostümschneiderei – seit rund eineinhalb Jahren können Interessierte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im brandenburgischen Projekt „Kultur trifft Handwerk“ in kulturorientierten Handwerksberufen absolvieren. So haben im Berufswunsch noch nicht definitiv festgelegte Schulabgänger die Möglichkeit, handwerkliche Tätigkeiten kennenzulernen, eigene Möglichkeiten und Grenzen auszutesten und noch dazu neue kulturorientierte berufliche Perspektiven zu entdecken.

„Ohne Buchdrucker gäbe es keine Literatur, ohne Orgelbauerinnen keine Kirchenmusik und ohne Bühnenbildner kein Theatererlebnis“, bringt die brandenburgische Kulturministerin Manja Schüle (SPD) die Zusammenhänge zwischen den für manche nicht unbedingt eng miteinander verbundenen Bereichen Handwerk und Kultur auf den Punkt. Und so gilt nicht nur für sie die Schlussfolgerung: „Wer sich für Kultur begeistert, ist im Handwerk genau richtig.“ Die Erfahrungen mit dem Anliegen des Freiwilligendienstes zu verbinden, „ist eine ausgezeichnete Idee, um das Einsatzgebiet Kultur mit den damit verbundenen Handwerksbereichen noch stärker zu verknüpfen“, ist sich auch Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, sicher.

Derzeit können sich Interessierte im Alter zwischen 16 und 26 Jahren unter verschiedenen Einsatzstellen bei „Kultur trifft Handwerk“ in Brandenburg entscheiden. Mit dabei sind ein Glasstudio im Museumsdorf Baruth/Mark, Theaterwerkstätten wie in der Neuen Bühne Senftenberg, ein Druckladen in Brandenburg/Havel sowie eine Stiftung in der Gartendenkmalpflege in Branitz (Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz). Weitere sind in Planung.

„Gerade in der Phase der beruflichen Orientierung kann es sehr motivierend sein, durch kreatives, eigenständiges Arbeiten Selbstwirksamkeit zu erfahren“, meint Pia Wehner, Leiterin des Projekts bei der Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Brandenburg (lkj). Kulturelle Handwerksberufe würden jungen Menschen „ein attraktives Feld bieten, um sich auszuprobieren und eigene Begabungen zu entdecken“. Aus den Erfahrungen im Freiwilligendienst erwachse häufig eine klare Entscheidung für den weiteren Bildungsweg, weiß Pia Wehner.

Wie etwa bei Senem Erkcetin, die ihren kulturellen Freiwilligendienst in der Baruther Glashütte absolviert und dann eine Ausbildung in diesem Bereich begonnen hat. Die Erfahrungen in der Glashütte hätten sie ihre „Selbstwirksamkeit spüren“ und sehen lassen, „wie ich etwas erschaffen kann und wohin ich mich weiterentwickeln möchte“, erinnert sich Senem Erkcetin an ihre Zeit in Baruth.

Freiwilligendienste dauern in der Regel zwölf Monate, sind aber auch mit einer Dauer von mindestens sechs und maximal 18 Monaten möglich. Die Freiwilligen erhalten im Rahmen von Kultur und Handwerk ein monatliches sogenanntes Taschengeld in Höhe von 420 Euro und sind sozialversichert. Es gibt im Freiwilligendienst grundsätzlich die Möglichkeit der Unterkunft nahe des Einsatzortes, die teilweise von Einsatzstellen zur Verfügung gestellt wird. Derzeit ist das hier in der Praxis aber noch selten der Fall.

Neben dem Engagement in einer der Kultureinrichtungen werden mindestens 25 begleitende Bildungstage in einem umfangreichen Seminarprogramm besucht. Die Freiwilligenzeit kann als Wartesemester bei Hochschulbewerbungen, Praxiszeit für weitere Ausbildungswege oder als Praxisteil für die Fachhochschulreife angerechnet werden. Augenblicklich laufen auch noch Gespräche in Richtung der Anerkennung für Ausbildungszeiten. gd

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