Der Beruf des Steinmetzen und Steinbildhauers gehört zu den ältesten Handwerken der Welt. „Viele andere Berufe sind ursprünglich aus dem Steinmetz-Beruf entstanden“, weiß der Meister. Gearbeitet wird mit Materialien aus aller Welt: deutscher Sandstein für Restaurierungen, italienischer Marmor, Granit aus Skandinavien oder Hartgestein aus Indien und China. „Der Material Stein ist unwahrscheinlich vielseitig – und wunderschön.“
Steinmetze gestalten viel: etwa Fassaden, Wandverkleidungen oder Küchenarbeitsplatten. Sie sind an Bauprojekten beteiligt, arbeiten im Innenausbau oder restaurieren historische Gebäude und Kirchen. Gerade in der Denkmalpflege ist ihr Können gefragt. Und was machen Steinbildhauer? „Alles, was nicht gerade und nicht linear ist, macht der Bildhauer“, so Olav Borwig. Ornamente, Figuren, Kapitelle – also Säulenverzierungen – werden von Hand ergänzt oder restauriert. Wichtig: Es geht hier um handwerkliche Bildhauerei, nicht um freie Kunst.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist dual organisiert – in Betrieb und Berufsschule. Ein Einstieg ist für viele junge Menschen möglich. „Wichtig ist natürlich etwas handwerkliches Geschick. Es reicht auch der Hauptschulabschluss, wenn die Person in dieser Hinsicht begabt ist und wirklich Lust auf die Arbeit mit Stein hat“, sagt der der 55-Jährige. Hilfreich sind Kenntnisse in Mathe, Geometrie und auch Physik.
Ein typischer Arbeitstag? Den gibt es kaum, sagt Olav Borwig. Azubis beginnen klassisch mit Hammer und Meißel. „Sie müssen erst ein Gefühl für Werkzeug und Material entwickeln.“ Gleichzeitig arbeiten Betriebe mit Schleifautomaten, Bearbeitungszentren oder CNC-Maschinen – Werkzeugmaschinen, die durch den Einsatz von Steuerungstechnik in der Lage sind, Werkstücke mit Präzision auch für komplexe Formen automatisch herzustellen. Manche Firmen setzen auch Roboter ein. Trotzdem gilt: Erst das Handwerk lernen, dann die Technik nutzen. „Man sollte den Beruf von Grund auf erlernen – also wirklich mit Werkzeugen den Stein bearbeiten“, betont Olav Borwig. Maschinen erleichtern vieles, ersetzen aber nicht das Verständnis für Material und Form.
Körperliche Fitness und Kraft schaden nicht – aber der Beruf ist kein Männerjob mehr. Maschinen wie Kräne, Sauganlagen und Gabelstapler übernehmen schwere Hebearbeiten. „Mittlerweile haben wir auch viele Frauen im Beruf – die leisten das super“, weiß der Unternehmer. Künstlerisches Talent? „Nicht zwingend nötig – aber es hilft natürlich.“ Manche nutzen die Ausbildung später als Sprungbrett in Bereiche wie Architektur oder Gestaltung.
Ein großer Pluspunkt: Nachhaltigkeit. „Stein ist eines der nachhaltigsten Materialien, die überhaupt verarbeitet werden“, sagt Olav Borwig. Er ist langlebig und wiederverwendbar. Auch in Zeiten von KI bleibt das Handwerk gefragt. „Gerade in der Restaurierung ist jeder Arbeitsschritt individuell. Das kann man nicht komplett automatisieren.“ Weiterbildungen sind möglich, etwa zum Meister oder Restaurator. Und die Perspektiven? Die seien gut, sagt Olav Borwig. Historische Gebäude müssen erhalten, Neubauten gestaltet werden.
Trotzdem ist Nachwuchs rar. Warum? „Ich glaube, der Beruf ist im Bewusstsein der Menschen stark auf den Friedhof reduziert“, sagt Olav Borwig. Dabei sei auch dieser Bereich eine sinnvolle, wertvolle Aufgabe. „Auch dort arbeitet man mit Menschen und kann in schwierigen Momenten etwas Schönes für sie schaffen.“ Sein Rat an Interessierte: „Sie sollten ein kleines Praktikum machen. Eine Woche oder 14 Tage mitarbeiten. Damit man sich im Betrieb gegenseitig beschnuppern kann.“ Denn kein Gespräch ersetzt das gemeinsame Arbeiten im Betrieb.
Wer Lust auf einen Beruf hat, der Kreativität, Technik, Tradition und Zukunft verbindet, der könnte hier genau richtig sein. Oder, wie Olav Borwig es zusammenfasst: „Was ich am liebsten an unserem Beruf mag? Die unglaubliche Materialvielfalt – Farben, Strukturen, immer neue Steine. Es wird nie langweilig.“ dre