Warten auf die Kalte Sophie
Die Eisheiligen: Eine Bauernregel, die beherzigt werden sollte

Achtung: Geranien sind frostempfindlich.Foto: Adobe Stock/AnnaReinert

Bauernregeln haben oft eine sehr begrenzte Aussagekraft, wenn sie nicht so allgemein gehalten sind wie der klassische Satz: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist. An eine Regel allerdings halten sich erfahrene Gärtnerinnen und Gärtner eisern: Die Eisheiligen. „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, eh die Sophie vorüber ist“, heißt es da etwa.

Es geht um vier Tage im Mai: Pankratius (12.5.), Servatius (13.5.), Bonifazius (14.5.) und die Kalte Sophie (15.5.). Der Volksmund sagt, dass es an diesen Tagen noch einmal Nachtfrost geben kann.

Und tatsächlich zeigen langjährige Wetterbeobachtungen, dass es Mitte Mai oft noch einmal empfindlich kalt wird. Verantwortlich dafür sind kalte Luftströmungen aus dem Nordmeer, zu denen es in Mitteleuropa in dieser Jahreszeit noch einmal kommen kann. Während tagsüber die hochstehende Sonne schon für viel Wärme sorgt, kann es dann in sternenklaren Nächten zu Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kommen. Daran hat sich trotz des Klimawandels nichts geändert.

Der wichtigste Punkt an den Eisheiligen: Nach diesen Tagen ist in der Regel keine vergleichbare Kältewelle mehr zu befürchten. Wer also frostempfindliche Gewächse ins Freiland setzen will, der sollte sich den 15. Mai rot im Kalender markieren. Das Wochenende nach Himmelfahrt bietet sich in diesem Jahr also an für das Auspflanzen von beispielsweise Geranien oder Fuchsien, Tomaten oder Basilikum.

Hilfreich kann es sein, die Pflanzen zuvor schon ein wenig abzuhärten. Das erreichen wir, wenn wir in der Wohnung vorgezogene oder im Einzelhandel gekaufte Jungpflanzen vor dem endgültigen Auspflanzen tagsüber ins Freie stellen. Sind die Nächte wie erwartet kalt, werden sie abends in die schützende Wohnung oder ins Gewächshaus gebracht.

Einige Pflanzen sind übrigens noch ein wenig empfindlicher gegen Kälte als andere, Gurken, Paprika, Melonen und Auberginen zum Beispiel. Sie sollten besonders sorgsam behandelt werden.

In kühlen Nächten kann ein Schutzvlies über das frisch ausgepflanzte Junggemüse ausgebreitet werden. Alternativ können auch Eimer, Blumentöpfe oder Glasglocken helfen. Am Morgen sollten diese Abdeckungen dann aber wieder entfernt werden, bevor es darunter zu heiß wird.

Die Namen der Eisheiligen sind übrigens jene, die im katholischen Heiligenkalender für den jeweiligen Tag gelten. Für den 15. Mai ist das Sophia von Rom, eine frühchristliche Märtyrerin aus dem vierten Jahrhundert.

Der Legende nach wurde sie im Jahr 304 als junge Frau während der Christenverfolgung unter dem Kaiser Diokletian getötet. Der Name Sophia stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Weisheit oder Klugheit. Die frühere Hauptkirche der orthodoxen Kirche, die Hagia Sophia in Konstantinopel, hatte ihren Namen nicht nach der römischen Märtyrerin, sondern nach der Jesus zugeschriebenen „heiligen Weisheit“erhalten. Wenn wir heute mit dem Auspflanzen von empfindlichen Blumen und Gemüsen bis zum 15. Mai warten, können wir dabei an die gärtnerische Klugheit denken. net
Druckansicht