Treffen, klönen, genießen – mitten in der Stadt
„Marthas Tisch“ lädt zum offenen Frühstück ein

Das Initiatorinnen-Team für Marthas Tisch: Mareike Sabl, Nadiia Korol, Martina Fähling, Tina Vogel und Annette Flade (v.l.n.r.). Fotos: S. Atzenroth, Martin Ferch
Wittenberge. Es soll vor allem um eines gehen: Gemeinschaft. Sie ist zu finden, wenn am Samstag, dem 6. Juni, lange Frühstückstafeln auf der Wittenberger Bahnstraße stehen, Kinder basteln, Menschen Kaffee aus „Blümchentassen“ trinken und Nachbarn ins Gespräch kommen. Hinter der Aktion „Wittenberge frühstückt gemeinsam“ steht der Begegnungsort „Marthas Tisch“, der Leben in die Innenstadt bringen will – offen, mitten im Alltag.

Von 9.30 bis 12 Uhr laden das Team von „Marthas Tisch“, die Pflegekoordinatorin der Stadt und die Evangelische Kirchengemeinde alle Wittenberger ein, an den gedeckten Tischen zwischen Rathausstraße und Auguststraße Platz zu nehmen. Teller, Besteck und möglichst eine „Blümchentasse“ sollen die Gäste mitbringen. „Die Blümchentassen schlagen wir vor, weil wir Wittenberge im Hinblick auf die Landesgartenschau im nächsten Jahr schon ein bisschen aufblühen lassen wollen“, sagt Annette Flade, Mitinitiatorin von „Marthas Tisch“ und ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Dass an diesem Vormittag niemand hungrig bleiben muss, dafür sorgen Unterstützer aus der Stadt. Brot und Brötchen, Aufstriche, Obst und weitere Frühstückszutaten werden unter anderem von Rewe, Edeka, dem Regionalladen, Bäckereien und dem Weltladen gespendet. „Ich finde, es ist etwas Besonderes, dass diese Geschäfte so selbstverständlich bereit waren, unsere Aktion zu unterstützen“, so Annette Flade.

Wer möchte, kann Marmelade, Honig, Kuchen oder etwas aus dem eigenen Garten mitbringen. Auch alte Fotos oder Ansichtskarten der Bahnstraße sind willkommen. Denn das Frühstück soll nicht nur satt machen, sondern Gespräche anstoßen – über Erinnerungen, die Stadt und das Zusammenleben. Die Idee passt zu dem, wofür „Marthas Tisch“ steht. Der offene Treffpunkt in der Bahnstraße wurde Anfang 2025 von der Kirchengemeinde mit Ehrenamtlichen ins Leben gerufen. In den Räumen einer ehemaligen Bäckerei entstand ein konsumfreier Begegnungsort: Menschen können kommen, Kaffee oder Tee trinken und miteinander reden.

„Man muss bei uns nichts bestellen“, betont Annette Flade. Ältere Menschen haben dem Team erzählt, wie belastend Einsamkeit am Wochenende sein kann. Deshalb ist „Marthas Tisch“ auch samstags und sonntags geöffnet. Mittlerweile ist aus dem Treffpunkt weit mehr geworden: Spieleabende, Gesprächsgruppen, Deutschkurse, Kreativangebote, Filmvorführungen oder Mittagstische gehören zum Alltag in den Räumen.

Die Bahnstraße als Ort spielt eine wichtige Rolle. Annette Flade erinnert sich gut an die Zeit, als dort „viele, viele Geschäfte“ und Menschen unterwegs waren. „Marthas Tisch“ soll wieder Anreize schaffen, damit Menschen in die Innenstadt kommen. Beim Frühstück soll daher nicht der Eventcharakter im Fokus stehen, sondern die Begegnung. Mitmachaktionen für Kinder und eine Foto-Ecke sind geplant, vielleicht Livemusik – entscheidend sei aber etwas anderes, so Annette Flade: „…dass Menschen gemeinsam am Tisch sitzen, sich kennenlernen und miteinander reden.“ Auch Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos) hat sich angekündigt. Stephanie Drees

Druckansicht