Weniger ist mehr
Beim Apfelbaum fördert Ausdünnen der Früchte den Knospenansatz

Noch ist es nicht so weit: reife Äpfel am Baum.Foto: Adobe Stock/focus finder

Die Apfelbäume überall im Land Brandenburg hängen jetzt in der Übergangszeit vom Frühling zum Sommer meist voll mit kleinen Fruchtansätzen. Die Voraussetzungen in diesem Jahr waren günstig. Zur Blütezeit im April ist kein Spätfrost mehr übers Land gezogen, auch Bestäuber-Insekten gab es meist reichlich.

Man könnte meinen, ein üppiger Fruchtansatz wäre für Obstgärtner ein Grund zur Freude. Das ist er aber nur bedingt. Würden so viele Äpfel zur Reife kommen, dann blieben die einzelnen Früchte klein und wenig aromatisch. Auch die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten und Fruchtfäule kann steigen. Zudem könnte die Last so schwer werden, dass Äste brechen. Darum helfen sich die Bäume in der Regel auch selbst und werfen den Überschuss beizeiten ab, meist im Juni, bevor im Sommer die Äpfel zu voller Größe heranreifen. Vom Junifruchtfall ist die Rede.

Allerdings kann es sich lohnen, dabei nachzuhelfen. Nicht immer nämlich passiert das Abwerfen zuverlässig und in einem ausreichenden Maße. Zudem bereitet sich der Apfelbaum schon im Frühsommer auf das nächste Jahr vor und legt die Knospen für die kommende Blüte an. Muss er zu viel Energie in die aktuellen Früchte stecken, bleibt dafür keine Reserve mehr. Dann kommt es zu einem Phänomen, dass Alternanz genannt wird. Damit ist gemeint, dass Obstbäume in einem Jahr kräftig tragen, dafür im Folgejahr kaum oder keine Blüten ausbilden. Die Ernte fällt dann aus. Gerade bei älteren, wenig gepflegten Obstbäumen ist ein solcher Zwei-Jahres-Rhythmus typisch.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gegen die Alternanz gehört deshalb, neben der Düngung und dem regelmäßigen Rückschnitt, in der Regel im Winter, das Ausdünnen der Früchte im Frühsommer. Im Erwerbsanbau wird das regelmäßig praktiziert, und es lohnt sich auch im Haus- oder Kleingarten.

Wie aber entscheide ich, welche der kleinen Äpfel überschüssig sind? Ein erster Schritt ist es, schon zeitig mit der Begutachtung zu beginnen, je nach Apfelsorte bereits Anfang bis Mitte Juni. Fallen einzelne Fruchtansätze bereits bei leichter Berührung vom Baum? Dann reicht es, mit den Händen an den Zweigen entlangzustreifen, um den Baum zu entlasten.

Reicht das nicht, werden die Minifrüchte mit der Hand oder per Gartenschere abgeknipst. Entwickeln sich, wie es oft passiert, aus einem Blütenbüschel fünf oder sechs Fruchtansätze, bleibt nur einer stehen. Zuerst werden krank oder deformiert aussehende Äpfel entfernt. Stehen bleibt am Ende der zentralste Fruchtansatz. So gehen wir Ast für Ast vor. Faustregel: Etwa eine Handbreit Platz sollte zwischen den Früchten sein.

Junge Bäume müssen besonders konsequent entlastet werden. Sie brauchen ihre Energie für das Stammwachstum und die Ausbildung der Krone. Deshalb gilt, dass im ersten Jahr nach der Pflanzung höchsten drei Äpfel heranwachsen dürfen, im zweiten Jahr zehn, dann sukzessive mehr. Frühestens ab dem fünften Jahr darf der Baum voll belastet werden. net
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