Mit dem Schließen der Fleischerei wird der mitunter unbedachte Alltag vieler Menschen plötzlich zur wichtigen Erinnerung an Vergangenes in der Stadt. Damit diese nicht verblasst, hat das Stadtmuseum Kontakt mit Karl-Heinz Vader aufgenommen. „Wir haben relativ wenig stadtspezifische Zeugnisse zum Firmen- und Alltagsleben Wittenberges“, erläutert Museumsleiter Marcel Steller. Deshalb werde gerade dieser Teil der Stadthistorie verstärkt gesammelt. Anderes, das nichts zur Geschichte beiträgt, würde dafür abgegeben. Das hatten auch die Stadtverordneten mit dem neuen Museumskonzept 2022 so beschlossen.
So finden sich nun unter anderem Einwickelpapier, Messer, Kittel und Meisterbrief im Museum wieder. Nun wird geprüft, welche der Objekte die größte Aussagekraft für die Besucher haben. Diese werden dann in die Sammlung aufgenommen und gelten so als Kulturgut – damit ist der Weg frei, um eventuell in künftigen Ausstellungen den begehrten Platz in einer Vitrine zu erhalten.
„Ich bin sehr glücklich, dass die Stücke den Weg ins Museum finden. Das ist auch im Sinne meiner Eltern“, freut sich Karl-Heinz Vader über den Verbleib eines Teiles seines Lebenswerkes. „Was heute noch Gegenwart ist, wird in naher Zukunft schon Vergangenheit sein. Umso wichtiger ist es, dass unser Museum ganz stark nach vorn schaut und sich nicht von der Tagespolitik verunsichern lässt,“ bekräftigt der Museumsleiter. Nur so könne man demokratiefördernd und in eine starke Stadt hineinwirken. Eine gemeinsame positive Erinnerung stärke die Gemeinschaft.
Ein erstes Objekt aus dem Vader-Vorlass hat den Sprung in die Vitrine übrigens schon geschafft. Bald wird ein „Objekt des Monats“ im Museum und bei Facebook über diesen Teil der Stadtgeschichte informieren. Welches das sein wird, verrät der Museumsleiter allerdings noch nicht. dre