Mit dem Blick für Menschen
Augenoptikermeister Mathias Käpernick führt seinen Traditionsbetriebseit 20 Jahren – die vierte Generation steht schon bereit

Optikermeister Mathias Käpernick (l.) und Bürgermeister Ronald Thiel im Geschäft in der Wallstraße. Foto: Stadt Pritzwalk
Pritzwalk. Wer zu „Brillen Käpernick“ in die Wallstraße geht, betritt nicht nur ein Fachgeschäft für Brillen und Kontaktlinsen, sondern zugleich ein Stück Pritzwalker Stadtgeschichte. Seit fast einem Jahrhundert ist das Unternehmen in Familienhand. In diesem Jahr feiert Inhaber Mathias Käpernick ein persönliches Jubiläum: Vor 20 Jahren übernahm er das Geschäft von seinem Vater. Die Wurzeln des Unternehmens reichen jedoch deutlich weiter zurück.

„Seit 1927 sind wir in Pritz­walk, seit 1931 hier in der Wallstraße ansässig“, erzählt der Augenoptikermeister. Erst führte sein Großvater den Betrieb, später übernahm seine Großmutter die Verantwortung. Danach folgte sein Vater – und schließlich er selbst. Heute steht bereits die vierte Generation in den Startlöchern: Tochter Katja ist gerade in den letzten Zügen des Bachelors-Studiengangs Augenoptik und möchte die Familientradition eines Tages fortführen. Dass das Unternehmen überhaupt weiterbestehen konnte, ist auch einer bemerkenswerten Frau zu verdanken. Als ihr Mann schwer erkrankte, machte Käpernicks Großmutter im Alter von 50 Jahren ihren Meisterabschluss und übernahm 1956 den Betrieb. Gleichzeitig zog sie zwei Söhne groß – in einer Zeit, in der weibliche Betriebsinhaber noch längst keine Selbstverständlichkeit waren.

Für Mathias Käpernick war der berufliche Weg schnell klar. Seine Ausbildung absolvierte er teilweise im elterlichen Betrieb, später legte er an der Fachschule für Augenoptik in Jena die Meisterprüfung ab. Seit 1993 ist er Augenoptikermeister. Als sein Vater in den Ruhestand ging, stand die Entscheidung fest. „Mein Vater hat gesagt: Jetzt kannst du den Betrieb führen, wenn du willst. Und ich wollte natürlich“, erinnert er sich. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Augenoptik stark weiterentwickelt. Zu DDR-Zeiten waren Fassungen und Gläser oft Mangelware.

Heute stehen Kundinnen und Kunden zahlreiche Möglichkeiten offen: entspiegelte Gläser, selbsttönende Varianten oder Fassungen aus aller Welt. „Man muss von allem etwas anbieten können“, sagt der Firmeninhaber. Ein Wunsch begegne ihm dabei besonders häufig: „Leicht soll die Brille sein.“ Die Gläser werden bei Brillen Käpernick noch immer selbst eingeschliffen. Moderne CNC-Technik sorgt dabei für höchste Präzision. Auch viele Reparaturen erledigt das Team direkt vor Ort. Neben Mathias Käpernick arbeiten zwei Augenoptikerinnen und – in Teilzeit, neben dem Studium – Tochter Katja im Unternehmen. Was ihn nach all den Jahren an seinem Beruf fasziniert? Die Antwort kommt ohne Zögern: „...dass man Menschen helfen kann.“

Immer wieder erleben Mathias Käpernick und sein Team, dass Kundinnen und Kunden mit bislang unbemerkten Auffälligkeiten zu ihnen kommen. Dank der engen Zusammenarbeit mit den Augenärzten der Augentagesklinik Prignitz-Ruppin in Pritzwalk können Betroffene bei Bedarf schnell vermittelt werden. Besonders bewegt den Inhaber, wenn Menschen später zurückkommen und berichten, dass eine Augenerkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt werden konnte.

Auch die Digitalisierung hat die Arbeit verändert. Immer mehr Menschen verbringen ihren Alltag vor Bildschirmen. Entsprechend gefragt sind heute spezielle Arbeitsplatz- und Bildschirmbrillen. Gleichzeitig bleibt jede Beratung individuell. „Man muss gut zuhören können, Empathie zeigen und individuelle Lösungen finden – das ist das Wichtigste.“ Der Betrieb verfügt über einen gewachsenen Kundenstamm und ist in der Region verankert. Besonders freut Mathias Käpernick der Gedanke, dass die Geschichte des Unternehmens eines Tages weitergeschrieben wird. Stephanie Drees
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