„Das würde ich alleine gar nicht schaffen“, sagt Museumsleiter Marcel Steller und freut sich über eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Lukas Rogner, Student der Freien Universität Berlin schreibt etwa derzeit seine Abschlussarbeit über die Geschichte der Bahnstraße, und zwar aus besonderem Blickwinkel: der Sinneswahrnehmung. Wie laut holperten die Pferdekutschen über das Pflaster? Wie deutlich roch man die Fabriken beim Bummeln? Ein spannendes Thema, wenn man bedenkt, dass Paul Lincke seine „Berliner Luft“ nach einem Spaziergang „Unter den (duftend blühenden) Linden“ komponierte. Zu Rogners Forschung fanden sogar Zeitzeugengespräche in einer Senioreneinrichtung statt.
Die Korbwarenproduktion WIKO kennen sicher noch viele Wittenberger. Doch Dokumente über dieses Stück Stadtgeschichte sind rar, weiß Stadtarchivarin Carola Lembke. Dort arbeiteten fast nur Frauen. Vielleicht ist das ein Grund, warum männliche Heimatforscher in der Vergangenheit einen Bogen um diese Manufaktur machten. Gerade das „Erleben anderer Perspektiven“ mache indes erst Geschichte verständlich – so steht es im Museumskonzept. Die Bundesfreiwilligendienstleistende des Stadtmuseums, Mia Fee Husack, trägt originale Überbleibsel der Korbwarenfabrik aus Archiv und Museum zusammen und verfasst einen Artikel für das Heimatmagazin „Prignitzer Heimat“.
Solche Kooperationen zahlen sich aus, freut sich Frank Stubenrauch vom Heimatverein Groß Breese, der Redaktionsmitglied ist: „Für uns als kleinen Verein mit ehrenamtlich Tätigen ist es ein gutes und sicheres Gefühl, einen professionellen Partner wie das Stadtmuseum Wittenberge an der Seite zu wissen.“ Erst kürzlich hatte das Museum mit Filmen über Singer und Veritas den Verein unterstützt. Manchmal ist die Stadtgeschichte zu erforschen aber kniffelig: der Wittenberger Burkhard Genth untersucht die schlecht aufgearbeitete Geschichte des Arbeiterlebens. „Über die Arbeitswelt und die Freizeit der Arbeiter im Scheunen- und Packhofviertel ganz zu Beginn, also im 19. Jahrhundert, wissen wir sehr wenig“, so der Heimatforscher. Quellen gibt es kaum, weil Schicksale der Arbeiter oft nicht beachtenswert erschienen. Das Stadtmuseum bittet daher um die Unterstützung: Wer besitzt Fotografien oder Postkarten vom Packhof- oder Scheunenviertel aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg oder Unterlagen zur Freizeitgestaltung der Wittenberger der Industriezeit? „Wir freuen uns sehr, wenn wir die Postkarten und Fotos digitalisieren könnten – oder natürlich über eine Schenkung an uns“, bittet der Museumsleiter. Vom Packhof- und Scheunenviertel besitzt das Museum lediglich drei Ansichtskarten. Die Forschungsergebnisse von Burkhard Genth werden voraussichtlich 2027 in einem Buch veröffentlicht – und dann hoffentlich reicher bebildert sein. Fotos und Postkarten vom Packhofviertel und Quellen zur Freizeitgestaltung können im Museum zu den Öffnungszeiten als Schenkung vorbeigebracht werden. dreZum Scannen der Dokumente bittet das Museum um Terminabsprachen – auch außerhalb der Öffnungszeiten. Bei Fragen stehen die Mitarbeiter per E-Mail: steller@kfh-wbge.de und Tel. 03877/405266 zur Verfügung.