Hitze führt zu deutlichmehr Krankmeldungen
Hohe Temperaturen werden in Brandenburg immer mehr zum Gesundheitsrisiko

Hitzeschutz wird auch in der Arbeitswelt immer wichtiger.Fotos: Adobe Stock/jozsitoeroe, Adobe Stock/Boonterm
Brandenburg. Brandenburg gehört deutschlandweit zu den am stärksten von Hitze betroffenen Regionen. Wie stark hohe Temperaturen auch den Arbeitsalltag beeinflussen, zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung auf Basis von AOK-Daten von rund 9,7 Millionen versicherten Beschäftigten zwischen 25 und 59 Jahren aus den Jahren 2007 bis 2020. Laut der bundesweiten Analyse steigt die Zahl der Krankmeldungen an einem durchschnittlichen Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad kurzfristig um etwa 3,5 Prozent. Am dritten Hitzetag in Folge liegt der Anstieg bereits bei fünf Prozent, nach sieben Hitzetagen in Folge bei rund elf Prozent.

„Diese Zahlen zeigen, dass Hitzeschutz auch in der Arbeitswelt einen höheren Stellenwert bekommen muss“, sagt Claudia Engel, Nachhaltigkeitskoordinatorin der auch für Brandenburg zuständigen Krankenkasse AOK Nordost. Gerade bei Tätigkeiten im Freien, bei körperlich belastender Arbeit oder bei wenig flexiblen Arbeitszeiten brauche es „praxistaugliche“ Lösungen. „Dazu gehören kühlere Arbeitsräume, Schutz vor direkter Sonne, angepasste Arbeitszeiten und klare Abläufe für Hitzewarnungen“, so Claudia Engel.

Hitze ist für viele Menschen in Brandenburg mittlerweile eine sehr konkrete Belastung – zu Hause, am Arbeitsplatz und vor allem auch in der Pflege. „Besonders ältere, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen brauchen verständliche Informationen und verlässliche Unterstützung“, so Claudia Engel. Hitzeschutz gelinge nicht durch Appelle allein. „Er muss dort ankommen, wo Menschen leben: in Familien, Pflegeeinrichtungen, Betrieben und Kommunen“, mahnt die Nachhaltigkeitskoordinatorin.

Hitzeschutz auch auf kommunaler Ebene und in Einrichtungen wie Pflegeheimen ist Teil eines Zentralen Netzwerks Hitzeschutz in Brandenburg, in das auch die AOK integriert ist. Ziel ist es, Maßnahmen zum Schutz vulnerabler Gruppen anzustoßen, umzusetzen und weiterzuentwickeln. Zudem ist die Kasse an kommunalen Hitzeschutz-Vorhaben beteiligt. Ein besonderer Fokus der AOK Nordost liegt zudem auf Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen. Über das Programm „Pflege in Familien fördern – PfiFf“ unterstützt die Gesundheitskasse pflegende Angehörige, Freunde und Nachbarn dabei, Hitzeschutz in der häuslichen Pflege mitzudenken. Dafür steht ein Themenblatt zum Hitzeschutz in deutscher und türkischer Sprache zur Verfügung.

„Hitzeschutz beginnt nicht erst im Notfall“, sagt Anne Kaeks, Leiterin der AOK Pflege Akademie. „Angehörige, Nachbarn oder Freunde, die Pflege übernehmen, brauchen kurze, gut verständliche Hinweise, um gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksam vorzubeugen. Genau hier setzt das PfiFf-Themenblatt zum Verhalten bei Hitze an.“ Die Kasse empfiehlt, Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes ernst zu nehmen und den Alltag entsprechend anzupassen. gd

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