„Seltsames Gefühl“trotz Freude aufden Ruhestand
Landfleischerei Hildebrandt schließtnach 135 Jahren ihre Pforten

Jürgen und Sylke Hildebrandt vor der Landfleischerei Hildebrandt, Foto: Dorina Konert
Kletzke. Nach 135 Jahren der Offerten von Fleisch und Wurst und vier Generationen Fleischerhandwerk in Kletzke wird Inhaber Jürgen Hildebrandt die gleichnamige Landfleischerei zum Jahresende schließen und mit seiner Frau Sylke, seit vielen Jahren Managerin an seiner Seite im Betrieb, in den Ruhestand gehen. „Es ist ein komisches Gefühl und es fällt uns nicht leicht, aber wir freuen uns auch auf den Ruhestand“, sagt der 60-Jährige, der vor 35 Jahren die wohl letzte selbst schlachtende Fleischerei in der Prignitz von seinem Vater Otto Hildebrandt übernommen hatte. Einzig die eingerichtete „Regio-Box“ wird dann ab Ende Dezember voraussichtlich Hausmacherwurstwaren und Fertiggerichte im Glas von Hildebrandt im Automaten vor der Ladentür der Landfleischerei führen. Gleich nebenan findet sich auch ein Bäckerei-Automat mit passenden Backwaren.

1891 hatte Jürgen Hildebrandts Urgroßvater Otto, der damals im Viehhandel tätig war, die Fleischerei ins Leben gerufen und war tragischerweise durch ein Unglück beim Bau des Geschäftshauses an der Dorfstraße ums Leben gekommen. Anschließend führte Sohn Emil den Betrieb.

Um die Zukunft der meist langjährigen Beschäftigten müssten seine Frau und er sich wohl keine Sorgen machen beim gegenwärtigen Fachkräftebedarf, meint Jürgen Hildebrandt. Insgesamt etwa 20 Auszubildende hat die Landfleischerei mit ihren früher bis zu fünf Filialen als klassischer Handwerksmeisterbetrieb im Laufe der Jahre ausgebildet. Bislang hat sich für einen Weiterbetrieb und auch für die Übernahme des Geschäftshauses nebst Schlachterei und zwei Wohnungen noch kein Abnehmer gefunden und so wird die Landfleischerei wohl ausgerechnet Heiligabend 2026 endgültig die Pforten schließen. Bei seiner Kundschaft, die ihm jahrelang die Treue gehalten hat, möchte sich Jürgen Hildebrandt jetzt schon bedanken und auch noch einmal daran erinnern, vorhandene Gutscheine, die seit Jahren verkauft wurden, bis zum Betriebsschluss einzulösen.

Der in der Region Aufgewachsene hatte die Fleischerei vor 35 Jahren als Meister übernommen, nachdem er auch auf Wunsch seines Vaters seine Ausbildung bei Fleischermeister Heinz Vader in Wittenberge gemacht hatte. Sylke Hildebrandt, die eigentlich ausgebildete Bauingenieurin ist, war Anfang der 2000er Jahre mit ins Fleischereigeschäft gekommen. „Einerseits ist da die Freude auf den Ruhestand, aber es ist schon ein seltsames Gefühl, sein Lebenswerk abzuschließen“, sagt Jürgen Hildebrandt noch einmal als Resümee. gd

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