Sonnenhungrigund blühfreudig
Die Prachtkerze bereichert den Garten bis zum ersten Frost mit ihren Blüten

Prachtkerzen blühen oft.Foto: Adobe Stock/Engel73

Jede ihrer zarten Blüten in Weiß oder Rosa hält nur einen Tag. Aber da die Prachtkerze (Oenothera lindheimerie) ständig sehr viele neue Ansätze nachschiebt, bringt sie den ganzen Sommer über, vom Juli bis in den Oktober, Farbe in den Garten. Die filigrane Staude, auch unter dem Namen Präriekerze bekannt, stammt aus dem südlichen Nordamerika. Es gibt insgesamt rund 20 verschiedene Arten von Prachtkerzen. Früher war für sie der wissenschaftliche Name Gaura gebräuchlich, nach neueren DNA-Untersuchungen werden sie den Nachtkerzen (Oenothera) zugeordnet. Bis zu 1,50 Meter Höhe kann die Staude erreichen, wobei allein die Blütenrispe auf eine Länge von 60 Zentimetern kommen kann.

Die Prachtkerze liebt sonnige oder vollsonnige Standorte, die möglichst vor Wind geschützt sind. Gut geeignet ist daher zum Beispiel ein Platz vor der Südwand eines Hauses. Die Staude wächst gut auf einem eher sandigen und trockenen, nicht zu nährstoffreichen Boden. Ansonsten ist sie pflegeleicht. Ideale Bedingungen findet sie in Kies- oder Steingärten. Allerdings kann es sein, dass die aus südlicheren Gefilden stammende Staude einen Winter mit längeren und tieferen Frosttemperaturen nicht übersteht. Sie samt sich jedoch leicht aus und wird dann im folgenden Frühjahr in Form von keimenden Jungpflanzen an neuen Stellen wieder erscheinen. Die Jungpflanzen lassen sich leicht ausreißen, später bilden sie tiefe Pfahlwurzeln.

Im Handel sind verschiedene Sorten der Prachtkerze erhältlich. Beliebt sind zum Beispiel die weißblühenden Züchtungen „Corrie’s Gold“, „Papillon“ und „Gambit White“. Mit rosafarbenen Blüten zeigen sich beispielsweise „Whirling Butterflies“ oder „Siskiyou Pink“.

Ihren Namen hat die Oenothera lindheimerie zu Ehren des Botanikers Ferdinand Jakob Lindheimer erhalten, eines bemerkenswerten Multitalents. 1801 in Frankfurt am Main geboren, wanderte er 1834 nach Amerika aus, nachdem er in Deutschland seine Professur für Literatur und Sprachwissenschaft verloren hatte, weil ihm die Beteiligung an revolutionären Umtrieben vorgeworfen wurde. In Texas widmete er sich der Erforschung der heimischen Pflanzenwelt, knüpfte dafür viele Kontakte zu ortsansässigen Indianern. Hunderte Pflanzenarten bestimmte er als erster, von denen 48 noch heute seinen Namen tragen. Später wurde er auch Herausgeber und Journalist eines deutschsprachigen Wochenblatts, der „Neu-Braunfelser Zeitung“. In New Braunfels, Texas, starb er 1879.

Die Prachtkerze entdeckte Ferdinand Lindheimer im Grenzgebiet zwischen Texas und Mexiko. Als Wildpflanze ist sie dort in offenen Prärielandschaften zu finden. Hierzulande wird die Prachtkerze als nichtheimische Pflanze nur von wenigen hiesigen Bienenarten angeflogen. Allerdings nutzen einige Insekten ihre Stängel zum Überwintern. Im Herbst sollten sie daher möglichst stehenbleiben. Erst beim Neuaustrieb Ende März kann dann alles Abgestorbene etwa eine Handbreit über dem Boden abgeschnitten werden. net
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