Besonders ausgeprägt ist das Aufschiebeverhalten bei den 18- bis 34-Jährigen. 57 Prozent geben an, häufig Aufgaben zu vertagen. 55 Prozent lassen sich beim Arbeiten schnell ablenken, 51 Prozent erledigen anstehende Aufgaben meist erst auf den letzten Drücker. Auch der Einstieg in wichtige Aufgaben fällt jungen Erwachsenen vergleichsweise schwer: 46 Prozent haben nach eigenen Angaben häufig Schwierigkeiten, damit zu beginnen. Unter Befragten ab 60 Jahren sind es nur 22 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen Aufschiebeverhalten und der Einschätzung der eigenen psychischen Gesundheit. Befragte, die ihren psychischen Gesundheitszustand als lediglich zufriedenstellend oder schlecht einschätzen, geben deutlich häufiger an, Aufgaben regelmäßig aufzuschieben, als Menschen mit guter oder sehr guter psychischer Gesundheit: 61 gegenüber 41 Prozent. Auch Schwierigkeiten, wichtige Aufgaben in Angriff zu nehmen, treten in der Gruppe mit weniger guter psychischer Gesundheit mehr als doppelt so häufig auf: 46 gegenüber 20 Prozent.
„Prokrastination wird häufig mit mangelnder Disziplin verwechselt. Dabei lohnt es sich zunächst, genauer hinzuschauen: Stress, hohe Ansprüche oder die Sorge, einer Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Einstieg erschweren. Dann kann es helfen, eine große Aufgabe in kleine, konkrete und überschaubare Schritte zu unterteilen“, sagt Berit Reiss, Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin bei der hkk Krankenkasse.
Wer Aufgaben regelmäßig aufschiebt, kann mit einfachen Strategien gegensteuern. Hilfreich ist es, nicht auf den perfekten Moment oder die „richtige Stimmung“ zu warten, sondern bewusst mit einem kleinen Schritt zu beginnen. Feste Zeitfenster, möglichst wenig Ablenkung und realistische Ziele können den Einstieg zusätzlich erleichtern. „Der Anspruch, eine Aufgabe sofort vollständig und perfekt zu erledigen, kann zu einer weiteren Hürde werden. Oft ist es sinnvoller, sich zunächst ein kleines, konkretes Ziel zu setzen: zehn Minuten arbeiten, einen ersten Absatz schreiben oder nur den ersten Punkt einer To-do-Liste erledigen. So wird aus einer großen Aufgabe ein machbarer nächster Schritt“, sagt Reiss. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Prokrastination nicht allein eine Frage von Disziplin oder Organisation ist. Der Zusammenhang mit der psychischen Verfassung deutet vielmehr darauf hin, dass Aufschiebeverhalten auch mit persönlichen Belastungen einhergehen kann. Ein ausgeprägtes Problem mit der eigenen Organisation hat die große Mehrheit der Befragten hingegen nicht: Nur 16 Prozent bezeichnen sich als häufig unorganisiert, nur 15 Prozent verlören schnell den Überblick über ihre Aufgaben. WS