Anlässlich seines vor 25 Jahren verliehenen Meistertitels denkt der 49-Jährige gern an alte Zeiten zurück. „Wenn morgens um acht Uhr aufgemacht wurde, war da schon eine lange Schlange von wartenden Kunden“, berichtet er aus seiner Kindertagen.
Die Anfänge des Familienunternehmens gehen zurück bis in die unmittelbare Nachkriegszeit: Der Großvater mütterlicherseits, Günter Koch, eröffnete 1946 als junger Fleischermeister zusammen mit seiner Frau in Lanz einen kleinen Betrieb. „Opa in der Produktion, Oma im Laden als Verkäuferin“, so war es Schmelzer erzählt worden. „Das kleine, mit großem Fleiß geführte private Unternehmen wurde von den Behörden geduldet, da die Versorgung der Bevölkerung in dieser ganz schweren Zeit und im ehemaligen Sperrgebiet sonst schwierig gewesen wäre.“
Zwei Jahrzehnte später kam die nächste Generation ins Spiel: „Mein Vater, Wilfried Schmelzer aus Picher im früheren Bezirk Schwerin, hatte 1966 dort den Meistertitel erworben und bewarb sich im Folgejahr hier bei uns.“ Torsten Schmelzer schmunzelt: „Papa ist jetzt im Ruhestand. Er hatte damals bei meinem Großvater angefangen und sich bald auch in die Tochter des Hauses verliebt.“ 1968 übernahm er dann das Unternehmen und nach der Hochzeit wurde es die Landfleischerei Schmelzer. In den Fußstapfen des Schwiegervaters setzte Wilfried Schmelzer auch eigene Akzente und konnte das Unternehmen vergrößern: Er arbeitete zu DDR-Zeiten mit einem Gesellen in der Produktion und ein bis zwei Verkäuferinnen im Laden.
Für Torsten Schmelzer, den jüngsten Sohn, war früh klar, dass er den Beruf von Großvater und Vater ergreifen wollte: „Ich habe schon als Kind mitgeholfen und mich sehr für dieses Handwerk interessiert“. Die bei Fleischer Vader in Wittenberge absolvierte Ausbildung wurde im Jahr 2001 mit dem Meistertitel gekrönt. Im Eifer des Tagesgeschäftes hätte der Chef fast die diesjährigen Jubiläen vergessen: 80 Jahre Landfleischerei, 60 Jahre Meister Wilfried Schmelzer und 25 Jahre Meister Torsten Schmelzer.
Das Unternehmen ist heute stabil und breit aufgestellt: „Wir haben das Ladengeschäft in Lanz. Der Verkaufswagen fährt übers Land, um die älteren Bewohner vor Ort zu versorgen. Dann gibt es den Partyservice, der an den Wochenenden sehr gut angenommen wird. Und seit 2016 haben wir auch den Online-Handel.“ Es werden Kunden deutschland- und auch europaweit beliefert.
Dieses Geschäft konzentriert sich zwar auf das Inland, es gibt aber etwa ebenso die nach Schweden ausgewanderte Kundschaft. „Und der am weitesten entfernte Kunde lebt mitten im Atlantik auf den Azoren“, berichtet der Meister stolz.
„Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Schmelzer, „früher war der Laden immer voll. Die Umstellung auf mehrere Standbeine war auf jeden Fall richtig und ist eine zukunftssichernde Maßnahme.“ Ihm ist es ganz wichtig, dass es weitergeht mit seiner Landfleischerei. „Auch wenn es noch lange nicht so weit ist, machen wir uns schon heute Gedanken um eine spätere Nachfolge. Überlegungen gehen dahin, dass eines der drei Kinder übernehmen könnte oder der Fleischergeselle und Mitarbeiter Patrick König. „Ich bin guter Dinge, dass der Bestand durch die rechtzeitige Vorsorge gesichert ist.“ Das Unternehmen Schmelzer wird dann voraussichtlich die einzige Landfleischerei in der Prignitz sein“, schließt Meister Torsten Schmelzer zuversichtlich. Thomas Wölker