Vor mehr als zweieinhalb
Jahrhunderten abgetragen
Bronzemodell der Sankt-Nicolai-Kirche wird Denkmal des Monats

Der Künstler Bernd Streiter mit seinem Werk. Foto: Rolandstadt Perleberg/Renè Hill
perleberg. Die Perleberger sind herzlich eingeladen, wenn am Donnerstag, dem 12. November, die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg die Auszeichnung „Denkmal des Monats“ in der Rolandstadt übergibt. Die Ehrung erfolgt um 10 Uhr auf dem Sankt-Nicolai-Kirchplatz. Denn dort steht das „Denkmal des Monats November“, das vom Prignitzer Künstler Bernd Streiter geschaffene Bronzemodell der Sankt-Nicolai-Kirche. Mit der Auszeichnung will die Arbeitsgemeinschaft dieses Mal auch das Engagement des Bürgervereins Perleberg würdigen, der dieses Vorhaben initiierte, begleitete und das Gros der Kosten trug.

Seit Oktober 2024 steht die einstige Sankt-Nicolai-Kirche wieder in Form eines Bronzemodells auf dem sanierten Sankt-Nicolai-Kirchplatz. Hier kann sich jeder Perleberger und jeder Besucher der Rolandstadt ein Bild von dem einstigen Gotteshaus machen. Mit dem Bronzemodell ist ein Quartiersprojekt entstanden, das mit Bürgergesprächen 2018 seinen Anfang genommen hat. Ein Jahr später begann die Umgestaltung des Sankt-Nicolai-Kirchplatzes. Nach Abschluss der begleitenden archäologischen Grabungen konnte der Platz im Mai 2022 offiziell übergeben werden.

Die archäologischen Grabungen lieferten zugleich wertvolle neue Erkenntnisse über die Kirche und die Geschichte der Rolandstadt Perleberg. Diese Erkenntnisse dienten dem Künstler Bernd Streiter als Inspiration für die Gestaltung des Bronzemodells. Mit ihnen konnte er ein realistisches Abbild von Sankt Nicolai schaffen. Am Sockel ist auf einer Bronzetafel zu erfahren, dass die steinerne Nicolaikirche um 1300 erbaut wurde. „Früh destabilisierte sich die Gründung am nahen Wasser, die Kirche sackte nach vorn“, ist hier zu lesen. Deshalb steht auch das Bronzemodell nicht mehr ganz gerade auf dem Sockel.

Einen weiteren Schicksalsschlag hat Bernd Streiter in seinem Modell verewigt: „Im Jahr 1632 brannte durch einen Blitzschlag die Turmspitze ab.“ Und so schlagen Flammen aus dem Turm und aus dem Dach. Um 1770 wurde das Gebäude vollständig abgetragen. Auch der Bürgerverein Perleberg verfolgte seit vielen Jahren die Idee, die Kirche wieder sichtbar und erlebbar zu machen. Nach vielen Diskussionen wurde die Idee des Kirchenmodells geboren. Mit Bernd Streiter konnte schnell ein Künstler gefunden werden. „Wir haben mit ihm schon bei der Lotte-Lehmann-Büste zusammengearbeitet und waren mit seiner Arbeit sehr zufrieden“, so der Vereinsvorsitzende Klaus Voigt. Und so musste Bernd Streiter damals auch nicht lange überzeugt werden.

Und so entstand schließlich das Bronzemodell, das Bernd Streiter gemeinsam mit dem 3D art Studio von Peter Barczewski schuf. Der 1997 von engagierten Perleberger Bürgern gegründete Verein hat nach knapp 30 Jahren seines Bestehens knapp 150 Mitglieder. Im Stadtbild gibt es inzwischen einige Projekte, die der Bürgerverein realisierte. Neben den genannten Projekten des Bronzemodells und der Lotte Lehmann-Büste sind es das bronzene Stadtmodell, das steinerne Stadtwappen, die Restaurierung der Knaggenhausfiguren, die Beschilderung historischer Gebäude sowie die Mitfinanzierung der Gottfried-Arnold-Büste, die ebenfalls Bernd Streiter geschaffen hat.

Dieses Engagement soll nun gewürdigt werden. Nach der Auszeichnung sind die Gäste noch zu einem geführten Rundgang durch die Perleberger Altstadt eingeladen, der an den Projekten des Bürgervereins vorbeiführt. Der Abschluss der Veranstaltung findet dann gegen 11.30 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses statt. WS
Druckansicht