Perleberg erinnert mit einer Gedenkstunde um 17 Uhr an den Stolpersteinen in der Altstadt am kommenden Montag an die schrecklichen Ereignisse der Pogromnacht vor 88 Jahren. Damals brannten in Deutschland Synagogen. Jüdische Geschäfte wurden von organisierten Schlägertrupps verwüstet, Schaufenster eingeschlagen, Wohnungen gestürmt. „Kauft nicht bei Juden“ stand an den Geschäften und hallte es von den Schlägertrupps der SA durch die Straßen. Der nationalsozialistische Terror brach sich Bahn. Tausende jüdische Mitbürger wurden misshandelt, verhaftet oder getötet.
Die verharmlosend auch als Reichskristallnacht bezeichnete Schreckensnacht war das offizielle Signal zum größten Völkermord in der Geschichte und der Auftakt zu Massendeportationen und Massenmorden an den entrechteten Juden. Dem ging bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 eine schrittweise Zurückdrängung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands aus dem öffentlichen Leben, ihre Entrechtung und Enteignung voraus.
Die vier Stolpersteine erinnern an individuelle Schicksale jüdischer Familien aus Perleberg am 8. November 1938 und in der Zeit danach und mahnen ganz aktuell, dass sich solche teuflischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nie wiederholen dürfen.
Die etwa einstündige Veranstaltung wird von Schülerinnen und Schülern des Gottfried-Arnold-Gymnasiums Perleberg und dem Bläserensemble der Kreismusikschule Prignitz begleitet und zieht vom Großen Markt 11, wo ein Stolperstein an die hier einst lebende Familie Sternberg erinnert, weiter durch die Parchimer Straße, zum Hohen Ende und in die Karl-Marx-Straße. An den insgesamt vier Stolpersteinen, die es in der Perleberger Altstadt gibt, werden die Schüler Texte der Erinnerung an die Opfer der Pogromnacht 1938 in Perleberg sowie aus aktuellem Anlass eigene Reflexionen zum Aufkeimen eines neuen Antisemitismus in Deutschland vortragen.
Mit einer Lesung, in der die Literatur des Schriftstellers Stefan Zweig im Mittelpunkt steht, beteiligt sich zudem der Förderverein Judenhof e.V. am diesjährigen „Jüdischen Kaleidoskop“. Sie findet am 11. November um 19 Uhr im Judenhof, Parchimer Straße 6A statt. Caroline Hähnel stellt anhand ausgewählter Texte Leben und Werk des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) vor. Zweig wurde in eine jüdische Wiener Familie hineingeboren und ist heute vor allem für seine „Schachnovelle“ und seine Biografien über historische Persönlichkeiten wie Marie Antoinette, Maria Stuart oder Erasmus von Rotterdam bekannt. 1933 fielen seine Werke den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten zum Opfer, 1934 emigrierte Zweig nach Großbritannien. 1942 nahm er sich im Exil zusammen mit seiner Frau Lotte das Leben. WSDer Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Perlebergerinnen und Perleberger sind herzlich eingeladen, beide zu besuchen.