Rainer Lehmann von der ews Stadtsanierungsgesellschaft dazu: „Es gibt nicht viele Gebäude in der Stadt, die dem Jahresthema der Kulturlandkampagne „Menschen bewegen – Altstadt schafft Verbindung“ so entsprechen wie die Kita Mitte in der Prinzenstraße 9/11. Bei diesem Gebäudekomplex ist es in überzeugender Weise gelungen, kulturelles Erbe zu erhalten und zugleich den Anforderungen eines modernen Stadtlebens gerecht zu werden. Selbst wenn sich die damaligen Kritiker heute nicht mehr an ihre öffentlich geäußerte Skepsis erinnern – als nach einer umfassenden Analyse von einem halben Dutzend Standorten die Entscheidung zugunsten der Prinzenstraße 9/11 fiel – waren Stadtverwaltung und Sanierungsträger bereits damals überzeugt, die städtebaulich bestechendste Lösung gefunden zu haben.“
Der Standort war ein gravierender städtebaulicher Missstand in der Altstadt und bestand aus zwei Grundstücken. Auf dem Grundstück Prinzenstraße 9 stand ein typisches zweigeschossiges Ackerbürgerhaus, das seit über einem Jahrzehnt leer stand. Als eingetragenes Einzeldenkmal hatte das Gebäude bereits Sicherungsmaßnahmen erfahren. Vor allem waren für den Bestand des Gebäudes aufwendige Balkenabstützungen des Giebels zum Nachbargrundstück notwendig, seit der um die Jahrhundertwende errichtete Putzbau zur Mauerstraße abgerissen wurde. Über Jahrzehnte beeinträchtigte das fehlende Eckgebäude auf dem Grundstück das Stadtbild in der ansonsten geschlossen bebauten Prinzenstraße.
Das siebenachsige denkmalgeschützte Fachwerkhaus mit der charakteristischen zweiflügligen Tordurchfahrt mit Schlupftür in der linken äußeren Achse besaß noch die gewendelte hölzerne Haustreppe mit Baluster- und Schmuckformen aus der Bauzeit um 1800. Erhalten war auch die „schwarze Küche“, in deren offenen Abzug früher die Räucherware gehängt wurde. Auch die barocken Türbeschläge waren noch in Teilen vorhanden, ebenso ein Kreuzstockfenster. Die übrigen Fenster waren wie die Haustür um 1900 erneuert worden.
Für die neue Nutzung der beiden Grundstücke als Kindertagesstätte führten die Stadt und der Sanierungsträger 2013 einen nicht offenen Realisierungswettbewerb durch, dessen Siegerentwurf des Berliner Architekturbüros kleyer koblitz letzel freivogel realisiert wurde. Allerdings war der ursprünglich in klimafreundlicher Holzbauweise geplante Neubau in der Stadt damals nicht durchsetzbar und wurde von 2015 bis 2016 als massives Klinkergebäude errichtet.
Der Nutzung als Kita kam auch die für die Altstadt sehr große Grundstücksfläche der Nr. 9 entgegen, die eine vielfältige und anspruchsvolle, kindgerechte Freiraumgestaltung ermöglichte. Mit der Nutzung als Kita entstand eine neue, die Altstadt belebende Funktion, die aus der Verbindung von bau- und stadtgeschichtlich wertvoller Bausubstanz mit moderner zeitgemäßer Architektur geschaffen wurde. Es gibt in der Altstadt gegenwärtig keinen anderen Standort, an dem sich tagtäglich mehr – meist kleine – Menschen bewegen und im besten Fall nicht nur eine Verbindung, sondern möglicherweise sogar eine Bindung zur Altstadt finden. Das Gebäude wurde mit rund 2,2 Millionen Euro bei Gesamtkosten von 2,7 Millionen Euro gefördert. Die Förderung der Freifläche erfolgte über das Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ mit 352 000 Euro. WS