Auf den ersten Blick ist dieses Tischtennisspiel in der Sporthalle an der Polthier-Oberschule in Wittstock nichts Ungewöhnliches. Und doch ist es einzigartig in der Region OPR und Prignitz und sogar darüber hinaus.
Denn hier spielen Menschen Tischtennis, die eines eint: Bewegungen fallen ihnen immer schwerer. Schuld daran kann Parkinson sein. Das ist eine Krankheit, bei der Zellen im Gehirn zerstört werden, die Dopamin produzieren – ein Hormon, das dafür sorgt, dass Gehirn und Muskeln miteinander kommunizieren können.
Die Folgen sind gestörte Bewegungsabläufe, steife Muskeln und unkontrolliertes Zittern. Die Krankheit schränkt das Leben immer weiter ein. Parkinson schreitet langsam, aber unaufhaltsam voran.
Forschungen haben gezeigt: Tischtennis kann helfen, die Symptome zu lindern und die Muskeln zu lockern. Das Spiel verlangt schnelle Reaktionen. Das trainiert motorische Fähigkeiten. „Wenn ich spiele, ist der Kopf abgelenkt. Dann habe ich das Gefühl, es geht bergauf“, sagt Bernd Piskol.
Ihm ist es zu verdanken, dass es die Tischtennisgruppe für bewegungseingeschränkte Menschen überhaupt gibt. Denn er überzeugte Peter Wittmann, den Trainer des Tischtennisvereins (TTV) Wittstock, vor gut einem Jahr davon, eine Pingpong-Parkinson-Gruppe (PPP) zu gründen.
PPP ist ein Verein, der Tischtennis als Therapie gegen Parkinson fördert. Er hat seine Wurzeln in den USA. Seit 2020 gibt es auch einen Ableger von PPP in Deutschland. Die spezielle Tischtennisgruppe in Wittstock ist sowohl Teil des TTV als auch des PPP. „Die Mitglieder bezahlen bei uns den ganz normalen Beitrag von 6 Euro pro Monat plus einen kleinen Obolus an PPP“, sagt Peter Wittmann. Bis zu sieben Teilnehmer kommen in der PPP-Tischtennisgruppe jeden Montag um 17 Uhr in Wittstock zum Training zusammen. Es findet zeitgleich mit den gesunden Spielern statt. Die Gruppe nutzt eine Platte im hinteren Bereich der Halle. Die Teilnehmerzahl beim PPP schwankt, nicht jeder ist immer dabei.
Bernd Piskol (70) aus Wittstock, Carsten Wiggert (62) aus Kyritz und Ines Ölke (64) aus Neuruppin gehören zum harten Kern. Letztere hat den längsten Anfahrtsweg, kommt aber regelmäßig jede Woche zum Training.
Vor drei Jahren bekam Ines Ölke die Diagnose Parkinson – und war froh, endlich zu wissen, was mit ihr los ist. „Ich fand das gut. Denn ich fühlte mich oft energielos und müde. So wusste ich endlich, wo das herkommt“, sagt sie. Angefangen hatte es bei ihr damit, dass sie einen Arm beim Gehen kaum noch mitbewegte.
In der Parkinson-Klinik in Beelitz ermutigten sie Mediziner zu Sport: neben Tischtennis auch Rudern, Bogenschießen, Qigong oder Yoga, dazu Sprachübungen und Ernährungstipps. „Da wird für jeden ein spezieller Übungsplan ausgearbeitet“, erzählt Ines Ölke.
Sie ist überzeugt, „dass man selbst viel machen kann“, um der Krankheit entgegenzuwirken. Man müsse aber darauf achten, wann man eine Pause braucht – und die dann auch machen.
Ines Ölke mag die Tischtennisabende in Wittstock auch, weil sie sich dort mit anderen Parkinson-Erkrankten austauschen kann – über Behandlungen oder Dinge des Alltags. „Wenn ich sage, ich habe nachts im Bett keine Kraft, mich umzudrehen, dann kann sich das keiner vorstellen“, sagt sie. In dieser Runde aber sei das anders.
„Es gibt einen einfachen Trick, um festzustellen, ob man Parkinson hat“, sagt Bernd Piskol. Dabei geht es darum, Daumen und Zeigefinger einer Hand immer wieder in rascher Folge zusammenzuführen. Genau das gelingt ihm selbst nicht. Bei ihm nähern sich Daumen und Zeigefinger nur mühsam. Letztlich bleibt eine Lücke.
„Essen gehen ist schlimm, weil mir Gabel oder Messer herunterfallen. Und dann ist man auch noch aufgeregt“, erzählt Bernd Piskol.
Die Diagnose Parkinson bekam er mit 55 Jahren. Es begann mit einer wackelnden Hand, auf die ihn eine Kollegin aufmerksam machte. Er selbst hatte es anfangs nicht bemerkt. Aktuell sind seine Bewegungen sichtbar eingeschränkt, insgesamt weniger flüssig als bei gesunden Menschen.
Carsten Wiggert möchte nicht näher über seine Krankheit sprechen. Aber alle drei berichten, dass ihnen das Tischtennisspiel guttut, Spaß macht und dafür sorgt, „mal rauszukommen“.
Manchmal nimmt es Bernd Piskol sogar mit gesunden Spielern vom TTV auf. „Nach zwei Stunden sind wir aber kaputt. Das reicht dann“, sagt Carsten Wiggert.
Trainer Peter Wittmann ist froh, die Gruppe auf die Beine gestellt zu haben. Weitere Mitspieler mit Bewegungseinschränkungen sind willkommen. „Es muss nicht Parkinson sein“, sagt Bernd Piskol. Björn WagenerKontakt zu Trainer Peter Wittmann unter Tel. 0163/7014425