Es ist eher die Zeit der Weihnachtslieder als die des deutschen Jazz-Rock, in der Gerhard „Hugo“ Laartz seine Memoiren vorlegt. In „Soul komplex“ erzählt er aus seinem bewegten Leben und unternimmt eine Reise durch acht Jahrzehnte deutscher Musik- und Zeitgeschichte. Geboren 1940 im kriegsgezeichneten Berlin, wächst Laartz zwischen Ruinen, Entbehrungen und einer musikliebenden Familie auf. Der Weg zum Klavier ist kurz, erste Auftrittserfahrungen sammelt er bei Familienfeiern. Den Spitznamen „Hugo“ erhält er im 5. Schuljahr.
Die 1950er Jahre markieren für ihn den Beginn einer musikalischen Leidenschaft: Rock’n’Roll, erste Bands und der Wunsch, Berufsmusiker zu werden. 1957 gründet Laartz, damals noch Lehrling zum Fernmeldemechaniker, die „music-stromers“, die im „Haus der jungen Talente“ gefördert werden und sich rasch einen guten Ruf erspielen. Der Mauerbau 1961 verändert vieles; immer wieder schildert Laartz eindrücklich den Alltag in der DDR und in seiner Familie. Politische Entwicklungen beschreibt er eher konstatierend als kommentierend.
Mit der Beat-Welle, Fernsehauftritten und Tourneen rückt die Musik immer stärker ins Zentrum seines Lebens. Nach mehreren Umbrüchen entsteht 1972 schließlich die Modern Soul Band (MSB), die zu einer prägenden Größe der ostdeutschen Soul- und Jazzrockszene wird. Ihr Repertoire umfasste sowohl eigene Kompositionen als auch populäre Klassiker verschiedener Genres. Eng verbunden war Laartz mit der Sängerin Uschi Brüning, die regelmäßig als Gast auftrat und gemeinsam mit ihm unter anderem die Ballade „Zeit vergeht“ interpretierte.
In seiner reich bebilderten Autobiografie erinnert sich Laartz an viele musikalische Weggefährten – darunter Jazzgrößen wie Klaus Lenz, Conny Bauer und Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowsky, mit denen es Kooperationen und gemeinsame Projekte gab. Auch Künstlerinnen und Künstler wie Reinhard Lakomy, Veronika Fischer, Angelika Mann, Holger Biege, Stephan Trepte oder Toni Krahl kreuzten seinen beruflichen Weg.
Der Bandleader und Keyboarder erzählt humorvoll und offen über Bandwechsel, künstlerische Höhen und Tiefen, Tourneen, politische Hürden und familiäre Herausforderungen. Nach der Wende setzt er seine Arbeit als Musiker, Arrangeur und Lehrer fort. „Soul komplex“ zeichnet das lebendige Panorama eines kulturellen Lebens, das weit über die Musik hinausreicht. rvLaartz, G.: Soul komplex. Neues Leben, 2025.