Das Programm bündelt unterschiedliche Formate – von Oper im Schlosstheater über Vokalprogramme in der St.-Laurentius-Kirche bis zu neuer Kammermusik – und spannt einen Bogen von preußischer Hof- und französischer Aufklärungskultur zu europäischen Perspektiven von heute. In bewährter Tradition übernehmen Preisträger des Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg 2025 zentrale Partien – es geht in die 35. Saison der Festivalgeschichte.
Den Auftakt des Frühjahrsprogramms macht „Der Barbier von Sevilla“ – das Original von Giovanni Paisiello (1782) im Schlosstheater Rheinsberg – mit der Kammerakademie Potsdam unter der musikalischen Leitung von Werner Ehrhardt und in der Regie von Georg Quander.
Die der Oper zugrunde liegende Komödie bildet den ersten Teil der legendären Figaro-Trilogie des Dichters Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, der mit Prinz Heinrich befreundet war – und sie wurde in Rheinsberg bereits gespielt, bevor der Prinz seine erste Frankreichreise unternahm. Paisiello vertonte – während seiner Zeit als Kapellmeister am Petersburger Hof bei Katharina der Großen – das von Giuseppe Petrosellini eingerichtete Libretto. Was herauskam, war nicht weniger als eine der kommerziell erfolgreichsten Opern jener Zeit: Paisiellos größter Bühnenerfolg blieb populär, selbst nachdem Rossini seine heute omnipräsente Version aus der Taufe hob.
Premiere Karfreitag, 3. April, 19.30 Uhr, weitere Vorstellung Ostersonntag, 5. April, 16 Uhr
Programmatisch steht neben Prinz Heinrich seine Frau im Mittelpunkt, die selbst vielen Preußen-Kennern und in der Geschichte der Kammeroper kaum präsent ist: Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel. Durch ihre Heirat erhielt Heinrich überhaupt erst die Möglichkeit, einen eigenen Hofstaat zu etablieren; zugleich wurde Wilhelmine von ihrem Mann an den Rand gedrängt. Die Suche nach Heinrich ist deshalb untrennbar mit der Suche nach Wilhelmine verbunden – und mit der Frage nach den „Wilhelmines“ unserer Gegenwart: nach weiblichen Stimmen, die Gesellschaft, Wissensräume und Kunst mitgestalten.
Unter dem Titel „Frauen am Hof – Ein Hoch auf alle Wilhelmines“ entfaltet die Kammeroper Schloss Rheinsberg diese Thematik in zwei komplementären Formaten: Das Ensemble VocaMe zeichnet ein Panorama weiblicher Porträts in den Konzerten „Hymnen und Visionen“ (23. April) und „Balladen und die Minne“ (24. April). Im Fokus stehen Komponistinnen und Autorinnen als Achsen von Kunst, Sichtbarkeit und Verantwortung: Es geht von der byzantinischen Dichterin Kassia über die französische Schriftstellerin Christine de Pizan und die brabantische Mystikerin Hadewijch bis zu Hildegard von Bingen.
Im Dialog dazu präsentiert das Trio Gilu den szenischen Konzertabend „Brief an die Zukunft - Saudades of the Future“ (25. April): Das Projekt ist inspiriert von drei Dichterinnen, die zu Lebzeiten keine Anerkennung fanden – Karoline von Günderrode, Emily Dickinson und Selma Meerbaum-Eisinger. Drei zeitgenössische Komponisten greifen diese Schicksale auf und haben Gedichte jener bemerkenswerten Persönlichkeiten vertont.
So verschränkt die Programmreihe „Frauen am Hof“ – in Kooperation mit dem gleichnamigen Symposium des Kunst- und Kulturvereins Rheinsberg – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Prinzessin Wilhelmine wird vom Rand ins Zentrum gerückt – und ihre Spur führt vom einstigen Rheinsberger Musenhof in die Diskursräume von heute. WSKarten für die Veranstaltungen sind im Vorverkauf erhältlich.