Kleine Mieten lassen Dörfer wachsen
180 Euro für die Handwerkerwohnung: GemeindeWusterhausen gewinnt neue Einwohner

Vor Jahren stand der Wohnblock in Lögow fast leer und auf der Abrissliste. Doch jetzt füllt er sich wieder. Foto: Wusterhausener Wohnungsbaugesellschaft
Wusterhausen. Wusterhausen verzeichnet in einigen seiner Dörfer einen Bevölkerungszuwachs. Grund sind die unschlagbar günstigen Mieten für die kommunalen Wohnungen dort. Das ist der Plan dahinter:

Nach Jahren des Einwohnerschwundes stemmen sich einige Ortsteile der Gemeinde Wusterhausen jetzt gegen den Trend. Laut der jüngsten Erhebung der Gemeindeverwaltung verzeichneten vor allem Lögow, Brunn und Schönberg 2025 einen spürbaren Bevölkerungszuwachs. Lögow wuchs demnach um fast elf Prozent. In Schönberg sind es knapp acht Prozent und in Brunn über fünf Prozent, während viele andere stagnierten oder schrumpften. Da kann selbst die Stadt Wusterhausen mit ihrem Einwohnerwachstum von knapp zwei Prozent nicht mithalten.

Eines haben die drei Dörfer gemeinsam: Wohnblöcke aus DDR-Zeiten, in denen jahrelang immer mehr Wohnungen leer standen. Doch genau das ändert sich.

2024 startete der neue Geschäftsführer der kommunalen Wusterhausener Wohnungsbaugesellschaft, Karol Siwiec, eine Vermietungsoffensive. Sein Credo: „Vermietung rechnet sich auf jeden Fall eher als Leerstand.“

Dass der DDR-Standard von einst mit heutigen Neubauten nicht mithalten kann, damit ging Siwiec offensiv um. Statt auf teure Sanierung oder auf Abriss setzt er auf besonders niedrige Mieten. „2024 hatten wir 22 Prozent Leerstand“, berichtet der Wohnungsbau-Chef. „Jetzt sind es noch knapp neun Prozent.“ Die einstigen Pläne zum Abriss weiterer kommunaler Wohnungen seien längst vom Tisch. „Wir haben die Mieten inzwischen schon etwas angehoben“, berichtet Siwiec und nennt aktuell fünf Euro Kaltmiete je Quadratmeter und Monat. „Aber es sind immer noch Schnäppchen.“

So ist in Lögow derzeit eine „Handwerkerwohnung“ mit einem Zimmer, Küche und Bad für 180 Euro kalt im Angebot. Warm und mit Nebenkosten sollen die knapp 36 Quadratmeter 300 Euro kosten. Fragt sich, was „Handwerkerwohnung“ bedeutet. „Das ist eine Wohnung, in der bis auf Wasser, Strom und Heizung noch einiges zu tun ist“, erklärt Siwiec. Wände müssten ausgebessert und gestaltet, Fußbodenbeläge verlegt werden. „Da können sich die Mieter voll einbringen und eigene Vorstellungen verwirklichen.“ Und sie können einiges an Geld sparen. Für eine ähnliche, frisch renovierte Wohnung stellt die Wohnungsbaugesellschaft 5,50 Euro Monatskaltmiete in Rechnung. In Brunn beispielsweise kosten drei bezugsfertige Zimmer mit Küche und Bad auf knapp 62 Quadratmetern 340 Euro kalt – oder 560 Euro warm. Reich wird das kommunale Unternehmen damit nicht, auch wenn die Mieteinnahmen insgesamt 2025 leicht anstiegen. Doch darum geht es dem Wusterhausener Bürgermeister Philipp Schulz gar nicht. Ihm ist der neue Kurs der Wohnungsbaugesellschaft willkommen. „Das hat auf jeden Fall Wirkung gezeigt.“ Karol Siwiec kann das bestätigen: „In Lögow haben wir zum Beispiel wirklich echte Neuzugänge zur Gemeinde. Viele der neuen Mieter kommen aus Neuruppin.“ 38 Zuzüge wurden im vergangenen Jahr im Dorf gezählt.

Nach und nach sinkt die Zahl der noch verfügbaren Wohnungen natürlich. Die Website der Wusterhausener Wohnungsbaugesellschaft macht aktuell gar kein Angebot mehr. Doch das hat andere Gründe: „Kleinanzeigen im Netz laufen einfach besser als unsere eigene Internetseite“, sagt Karol Siwiec. Eine Neugestaltung sei perspektivisch geplant.

Nachfragen potenzieller Mieter nehme man gerne an. „Ich habe noch 45 Wohnungen frei.“ Unter anderem eben in Lögow, Brunn und Schönberg. „Vereinzelt gibt es auch noch was in der Stadt.“ Die Wohnungsbaugesellschaft will im Laufe des Jahres nachlegen. „Wir planen, fünf Wohnungen zu dreien zusammenzulegen – größer und besser ausgestattet.“ Außerdem stehe eine Investition an, die das Unternehmen seit Jahren nicht hatte: „Wir werden in Wusterhausen ein ganz neues Haus bauen. Da wollen wir mindestens vier Wohnungen schaffen.“ Fest steht: So billig wie die „Platte“ wird das nicht zu haben sein. Neubau bleibt auch auf dem Land teuer.

Alexander Beckmann
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