Eingefangen fürein besseres Leben
Tierschutzverein Wittstock kümmert sich um frei laufende Katzen

Dieses Kätzchen war leider nicht vermittelbar. Nun ist es glücklich zu Hause bei Vereins- und Vorstandsmitglied Regina Hartwig. Foto: Regina Hartwig
Berlinchen. Scheu geduckt und ganz vorsichtig nähert sich die abgemagerte, struppige Katze ihrem Ziel. Als keine Gefahr erkennbar ist, wird sie schneller, stürzt sie sich gierig auf den bereitgestellten Napf und schlingt das Futter hinunter. Sie ist eine von etwa 200 frei laufenden Katzen im Altkreis Wittstock und im Amt Heiligengrabe. Das können ausgesetzte und entlaufene Tiere oder deren Nachkommen sein. Sich selbst überlassen, werden diese Katzen durch unkontrollierte Vermehrung, Mangelernährung oder Krankheiten oft zu Problemfällen.

Der 1992 gegründete Tierschutzverein Wittstock und Umgebung e.V. kümmert sich darum, dass es im Idealfall gar nicht dazu kommt. So berichten die engagierten Vorstandsmitglieder Marion Anton und Regina Hartwig bei einem Treffen in Berlinchen, dem Sitz des Vereins. Die im Einzugsbereich frei laufenden Katzen werden ganzjährig von Privatpersonen an Futterstellen betreut. Diesen Tierfreunden hilft der Verein durch Zuwendung mit Katzennahrung. Das ist ein wichtiger Teilaspekt seiner Arbeit.

Ein zentrales Tätigkeitsfeld ist die „Geburtenregelung“. Werden dem Verein von engagierten und besorgten Bürgern mutmaßlich herrenlose Katzen gemeldet, dann kommen Mitglieder und stellen in Absprache mit den Grundstückseigentümern täglich kontrollierte und mit Futter bestückte Lebendfallen auf. Gibt es eine Erfolgsmeldung, dann kümmert sich der Tierschutzverein um die Kastration von Katze oder Kater und die medizinische Versorgung (Impfung).

Oft sind es Babys von ausgesetzten Katzen, die im Alter von acht bis neun Wochen von der Mutter entwöhnt sind, und ihre Umgebung allein erkunden. Manchmal werden auch Katzen gemeldet, wenn Frauchen oder Herrchen verstorben sind. In Einzelfällen wird auch Hilfe bei Überforderung gesucht, wenn Menschen nicht oder nicht mehr in der Lage sind, sich ordentlich um ihr Haustier zu kümmern.

Erwachsene „Findlinge“ werden nach der Kastration und der medizinischen Versorgung oft dorthin zurückgebracht, wo sie eingefangen wurden. Bei vielen anderen, vor allem den Babykatzen, wird jedoch versucht, den Tieren ein geeignetes neues Heim zu vermitteln. Das geht aber nicht von heute auf morgen, sondern kann oft viele Wochen dauern. „Letzten Sommer hatten wir 40 Katzenkinder“, berichtet Marion Anton. Die Tiere werden fotografiert. Mithilfe von Bild und Text auf der Homepage, aber auch Aushängen am Schwarzen Brett beim Einzelhandel wird für die niedlichen Kleinen geworben. Bis es zur erfolgreichen Vermittlung kommt, leben die Tiere zu Hause bei den verschiedenen Vereinsmitgliedern, die sich rührend um die Schützlinge kümmern. Nicht immer wird ein neues Heim gefunden. Regina Hartwig zeigt auf ein Foto: „Diesen kleinen Tiger wollte leider niemand haben, nun hat er bei mir eine Bleibe gefunden“, und lächelt.

Der Verein ist sehr dankbar für die gerade zum Jahreswechsel zahlreich eingegangenen Spenden, so die beiden Vorstandsmitglieder. Dabei ging es nicht nur um Geld-, sondern auch um Sachspenden. Neben Katzenfutter oder -streu wird jederzeit auch weiteres nützliches Zubehör gern angenommen. Da der Verein sich weit überwiegend über Spenden trägt, ist gerade auch zukünftig die Freude über finanzielle Zuwendungen besonders groß.

„Denn das größte Problem“, so Regina Hartwig, „ist die Finanzierung der Kastration beim Tierarzt und die medizinische Versorgung. Selbst wenn es dafür immer einen Schwerpunkt mit neuen jungen Katzen im Sommer gibt, besteht der Bedarf das ganze Jahr über.“ Spenden können auf das Konto des Vereins DE 94 1605 0202 162 001 0700 eingezahlt werden.

Die etwa 30 Mitglieder des kleinen Vereins haben ein großes Herz für Tiere, und das brauchen sie auch für ihre oft fordernde Arbeit: Zwei Drittel engagieren sich aktiv in den Dörfern des recht großen Einzugsgebiets.

„Wir würden uns sehr über neue und auch jüngere Mitglieder freuen“, bemerkt Marion Anton. Eine gute Gelegenheit zum Schnuppern wäre der Besuch des Tierschutzstammtischs. Er findet alle zwei Monate im Vereinshaus der Stadt Wittstock am Gröpertor statt. Die Termine werden auf der Homepage des Vereins (unter www.tierschutz-wittstock.de) und auf der Veranstaltungsseite der Stadt rechtzeitig bekannt gegeben. Thomas Wölker

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