Als der Neuruppiner Matthew Pettersson 2014 nach Neuseeland ging, hatte er keinen Businessplan im Gepäck. Dafür aber eine tiefe Neugier für die Imkerei – und die Faszination für das bernsteinfarbene Gold: Honig. Was als Saisonarbeit in einer neuseeländischen Imkerei begann, ist heute ein international vernetztes Unternehmen mit Sitz in Neuruppin: die Manuka-Kontor GmbH - spezialisiert auf hochwertigen Manuka-Honig aus Neuseeland und daraus entwickelte Premiumprodukte für den B2B-Markt. B2B steht für Business-to-Business, also eine Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmen.
Petterssons Weg ist alles andere als geradlinig. Aufgewachsen in Hamburg, absolvierte er zunächst eine kaufmännische Ausbildung in der Schifffahrt und arbeitete mehrere Jahre international für Reedereien. Mit Ende Zwanzig folgte ein bewusster Bruch: „Ich hatte das Gefühl, erfahren genug zu sein, um neu anzufangen – und jung genug, um es mir zu erlauben.“
Ein Schlüsselmoment ereignete sich 2013 in New York. Ein Freund zeigte ihm einen riesigen Topf Honig, den sein Imkervater ihm jedes Jahr aus ländlicher Gegend in die Metropole schickte. „Das war ein magischer Moment. Ich sah diese 20 Liter Honig in einer Glaskaraffe. Die Sonne schien darauf, es glitzerte bernsteinfarben, und ich wusste: Ich muss die Imkerei verstehen.“ Kurz darauf belegte Pettersson einen Imkerkurs in Berlin – und fand seine neue Leidenschaft.
Der nächste logische Schritt führte ihn nach Neuseeland. Dort arbeitete er mehrere Saisons als Imker – ein idealer Ort, denn hier wächst der Manuka-Strauch (Leptospermum scoparium), dessen Nektar die Grundlage für den weltweit begehrten Manuka-Honig bildet. Dieser Honig ist einzigartig: Er enthält besonders hohe Mengen an Methylglyoxal (MGO), das für seine wissenschaftlich belegte antibakterielle Wirkung verantwortlich ist.
„Honig galt schon immer als gesund“, sagt Pettersson. „Der Unterschied beim Manuka-Honig zu anderem Honig ist, dass seine Wirkung heute umfassend erforscht und dokumentiert ist.“ Genau diese Verbindung aus traditionellem Naturprodukt und moderner Wissenschaft macht Manuka-Honig zu einem der exklusivsten – und teuersten – Honige der Welt. 2016 brachte Pettersson die ersten Fässer Manuka-Honig nach Deutschland. Der Verkauf der ersten Palette markierte den Startpunkt einer Geschäftsidee, aus der sich zunächst ein Direktvertriebsmodell entwickelte. Mit dem Wachstum kamen jedoch auch Herausforderungen, die schließlich 2022 zu einer Neuausrichtung führten: der Gründung der Manuka-Kontor GmbH in Neuruppin. Der Fokus liegt seither klar auf B2B. Das Unternehmen beliefert Großhändler, Apotheken, den stationären Handel sowie internationale Partner. Neben dem Handel übernimmt das Manuka-Kontor auch Lohnabfüllungen und berät Kunden zu Qualität, Herkunft und Forschung.
Zentrales Qualitätsmerkmal ist der sogenannte MGO-Wert. MGO steht für Methylglyoxal, eine natürlich im Manuka-Honig vorkommende Verbindung, die für dessen antibakterielle Eigenschaften verantwortlich ist. Der Wert gibt an, wie viel Methylglyoxal pro Kilogramm Honig enthalten ist, und dient als objektiver Vergleichsmaßstab. Das Sortiment reicht dabei von MGO 30+ für den täglichen Verzehr bis hin zu MGO 800+ und höher für spezielle Anwendungen.
Ergänzend werden auch weiterverarbeitete Produkte angeboten, etwa ein alkoholfreies, fermentiertes Getränk auf Basis von Tee, Traubenmost und Manuka-Honig.
Seit 2019 ist Neuruppin Petterssons Wahlheimat – und Unternehmenssitz. In einer Halle in Karwe bei Neuruppin begann der operative Aufbau, der schneller wuchs als geplant. Er wusste damals nicht, ob er die Halle füllen würde, aber er hatte Vertrauen. Mittlerweile sind auch zwei Hallen daneben angemietet. Inzwischen arbeiten rund 14 Mitarbeitende in Produktion und Verwaltung. „Räume fühlen sich schneller klein an, als man denkt“, sagt Pettersson schmunzelnd.
Der nächste Schritt ist bereits konkret: Auf dem Hangar-Gelände am Neuruppiner Flugplatz plant das Manuka-Kontor eine neue, hochmoderne Produktionsstätte. Die Planungen sind abgeschlossen, Architekten und Konzepte stehen, Gespräche mit Banken und Förderstellen laufen. Die neue Anlage soll die bestehende Produktion ersetzen und deutlich höhere Standards in Logistik, Warenfluss und Verarbeitung ermöglichen. Pettersson beschreibt den Weg seines Unternehmens mit einem Bild aus der Imkerei: „Bienen überleben nicht durch starre Pläne, sondern durch sukzessive Entscheidungen. „Vielleicht ist das auch im Unternehmertum das beste Modell.“ Isabelle Bonenkamp