Und in ihrer Freizeitretten sie Leben
Der Verein Kitzrettung OPR e. V. bereitet sich auf die kommenden Einsätze vor,sucht weitere Helfer und lädt für den 19. April zu einem Informationstag ein

Die Wärmebilddrohne zeigt an, wo die Helfer nach Tieren suchen müssen.Foto: Kitzrettung OPR e. V.
Ostprignitz-Ruppin. Wer einmal ein von einem Mähwerk zerfetztes oder schwer verletztes Rehkitz gesehen hat, wird diesen Anblick nie wieder vergessen können. Bis zu 100 000 Rehkitze werden laut Hochrechnung der Deutschen Wildtierstiftung in jedem Frühjahr auf diese Weise getötet.

„Doch kein Lebewesen verdient einen solch schrecklichen Tod“, ist nicht nur die Meinung von Tierschützer Fulvio Kudernatsch. Auf Initiative von Sarah Böhm und mit ihr gemeinsam hat er im Jahr 2021 den Verein Kitzrettung OPR e. V. ins Leben gerufen. Sarah Böhm wollte unbedingt etwas gegen das unnötige Sterben tun. Außerdem war sie sich der Gefahr bewusst, die davon ausgeht, wenn Reste toter Tiere in Heu- oder Silageballen geraten. „Das Heu oder die Silage wird kontaminiert, es bilden sich gefährliche Toxine und diese führen zu Erkrankungen bei den Tieren, die davon fressen.“

Im Jahr 2020 war Sarah Böhm erstmals mit einer privat angeschafften Wärmebilddrohne und mit Unterstützung einiger Freunde auf Wiesen unterwegs, um Rehkitze zu retten. Zwar konnten sie in der ersten Saison nur knapp 30 Tiere retten, aber es war ein Anfang. Im Jahr darauf gründeten sie den Verein Kitzrettung OPR e. V., anfangs mit neun Mitgliedern. Heute sind es fast 60 Mitglieder und gerettet haben sie im vergangenen Jahr 276 Rehkitze und Damkälber. Dafür wurde eine Fläche von 5114 Hektar – das entspricht 7200 Fußballfeldern – abgeflogen.

In diesem Jahr will der Verein im Mai und im Juni mit sieben Piloten und sieben Wärmebilddrohnen im Landkreis OPR unterwegs sein. Drei Drohnen gehören dem Verein, die dank Fördermitteln und Spenden angeschafft werden konnten. Ein komplettes Einsatzset kostet 8000 bis 10 000 Euro.

Viele Landwirte, die ja gesetzlich verpflichtet sind, Rehkitze vor der Mahd zu schützen, arbeiten inzwischen regelmäßig mit dem Verein zusammen und wissen dessen kostenfreie Unterstützung zu schätzen. Auf der Internetseite des Vereins können die Landwirte das bevorstehende Mähen einer Fläche anzeigen. Dies sollte mindestens 48 Stunden vorher erfolgen.

Doch obwohl es die moderne Technik ist, die die Tiere in den Wiesen für die Piloten sichtbar macht, können sie ohne den Menschen nicht gerettet werden. „Wenn wir in den ersten Stunden des Tages eine Wiese nach Tieren absuchen, brauchen wir zwar nur eine Drohne, die nach einem programmierten Raster das Feld Streifen für Streifen abfliegt, doch wir brauchen am Boden mindestens vier bis sechs Leute, die jede einzelne Drohnensichtung überprüfen. Die Drohne registriert lediglich eine Wärmesignatur, kann aber nicht unterscheiden, ob es sich um ein Kitz, um einen Feldhasen, ein Vogelgelege oder nur um einen von der Sonne bereits erwärmten Stein handelt. Das muss der Mensch vor Ort überprüfen und dann entsprechend handeln“, erläutert Fulvio Kudernatsch.

Jedes Tier wird vorsichtig mitsamt des ihn umgebenden Grüns aufgenommen und in einer Transportbox untergebracht. Dabei müssen unbedingt Handschuhe getragen werden, damit das Jungtier später wieder von seiner Mutter angenommen wird. Die Rehkitz-Boxen werden am Feldrand gesichert. Nach der Mahd werden die Tiere in einem nicht gemähten Teil der Wiese wieder ausgesetzt. Feldhasen kommen ebenfalls in eine Box, verbleiben aber an ihrem Fundort. Der Traktor muss um diese Stellen herumfahren. Vogelgelege oder Küken seltener Bodenbrüter wie Feldlerche oder Wachtelkönig werden hingegen mit Fahnen abgesperrt und müssen weiträumig umfahren werden.  

„Ein solcher Einsatz dauert in der Regel vier bis fünf Stunden“, berichtet Kudernatsch und ergänzt: „Wir informieren unsere Helfer per WhatsApp, den Standort finden sie über GPS, denn eine Adresse haben unsere Einsatzorte nicht. Wir treffen uns zu einer kurzen Besprechung und dann geht es los, solange es noch kühl ist, denn die Wärme ist unser größter Feind. Meist sind wir fertig, wenn andere noch beim Frühstück sitzen.“

Die Nachfrage nach solchen Einsätzen wächst stetig und auch die Zahl der Helfer ist in den vergangenen Jahren ständig gewachsen, doch nicht in dem Maße wie benötigt. „Wir suchen deshalb dringend weitere Helfer, Menschen, die wie wir der Meinung sind, dass jedes Leben es wert ist, gerettet zu werden“, so Kudernatsch. „Wer sich im Tierschutz und im Naturschutz engagieren möchte, ist bei uns genau an der richtigen Stelle.“

Für all diejenigen, die sich für die Arbeit des Vereins interessieren, die sich im Tierschutz engagieren oder bei der Kitzrettung mitmachen möchten, gibt es am Sonntag, dem 19. April, einen Informationstag. Der Verein wird vor Ort seine Arbeit vorstellen und an praktischen Beispielen demonstrieren. Gerettet werden an diesem Tag allerdings nur Plüschtiere. Der Informationstag findet bei Fehrbellin statt. Wer teilnehmen möchte, sollte sich auf der Internetseite des Vereins anmelden und erfährt dann auch dort, wo er am 19. April hinfahren muss.

Gabriele ElstermannKontakt: Tel. 0157/53116155,
E-Mail: kitzrettung.opr@
gmail.com, online: www.kitzrettung-opr.com

Druckansicht