„Die braune Pest“ -ein wiederentdecktes Zeitzeugnis

Cover: Verlag
„Tätern auf der Spur“ – dieser Buchtitel könnte gut über dem gesamten Lebenswerk des Autors Frank Arnau stehen. Er beschreibt treffend die Haltung eines Schriftstellers, der nicht nur als literarischer Beobachter arbeitete, sondern Partei ergriff und Missstände schonungslos offenlegte.

Arnau, der eigentlich Heinrich Karl Schmitt hieß und 1894 bei Wien geboren wurde, war Journalist, Schriftsteller und einer der bedeutenden deutschsprachigen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. In seinen Romanen und Sachbüchern verband er kriminalistische Spannung mit genauer Recherche. Werke wie „Der geschlossene Ring“ und „Lautlos wie sein Schatten“ oder seine kriminalistischen Sachbücher wie „Menschenraub“ machten ihn zu einem vielgelesenen Autor. Charakteristisch für Arnau war sein Interesse an der Aufklärung von Verbrechen im politischen und gesellschaftlichen Kontext.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist sein Roman „Die braune Pest“, den Arnau kurz nach seiner Flucht aus Deutschland schrieb. Im Wettlauf mit der Zeit – und auch um sein eigenes Leben – entstand ein politisches Zeitdokument in Romanform. Der Text basiert auf unmittelbaren Erfahrungen in Nazideutschland, auf frischen und authentischen Quellen sowie auf einer Faktenlage, die auch aus heutiger Sicht standhält.

Dabei handelt es sich nicht um ein trockenes Geschichtsbuch. Arnau verbindet ausführliche politische Analyse mit Elementen eines spannenden Kriminalromans: ein gescheiterter Mordanschlag, nächtelange Beobachtungen, getarnte Ermittlungen und schließlich eine dramatische Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland bilden das erzählerische Gerüst.

Die Figuren des Romans sind – abgesehen von den historischen Persönlichkeiten – weitgehend an reale Personen angelehnt. Die Hauptfigur Georg Parker trägt deutlich autobiografische Züge des Autors.

Dass dieses Buch heute überhaupt wieder zugänglich ist, ist vor allem dem Engagement des Kriminalisten Hans-Christian Napp zu verdanken. Der Roman war zuvor nur ein einziges Mal veröffentlicht worden, 1934 in Fortsetzungen in der sozialdemokratischen Zeitung „Die Volksstimme“im damals noch autonomen Saargebiet. Lange Zeit galt das Werk als verschollen.

Der Roman zeigt eindringlich die Mechanismen, die hinter dem Aufstieg des Nationalsozialismus standen: das Zusammenspiel von Kapitalinteressen, Demagogie, marktschreierischer Propaganda und politischem Terror.

Gerade deshalb wirkt das Buch bis heute aktuell. Es hilft, politische Zusammenhänge zu verstehen und sensibel für die Gefahren manipulativer Propaganda zu bleiben. rv

Arnau, F.: Die braune Pest, Klingen Verlag Solingen.

Druckansicht