Robert Schumanns Winterreise – eine literarische Entdeckung

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Kein Irrtum, hier ist nicht von Franz Schuberts Winterreise die Rede. Im Mittelpunkt steht vielmehr Robert Schumann, der 1810 in Zwickau geboren wurde und vor 170 Jahren, am 29. Juli 1856, in Bonn starb. Im Jahr 1844 unternahm der Komponist gemeinsam mit seiner Frau Clara eine viermonatige Konzertreise nach Russland. Die Route führte über Riga und Dorpat bis nach St. Petersburg und Moskau. Clara Schumann, eine gefeierte Pianistin, war der eigentliche Star der Reise. Sie sollte mit ihren Konzerten den finanziellen Erfolg sichern.

Von diesen Monaten erzählt „Maestros Himmel- und Höllenfahrt.“ Geschrieben 1958 von dem Germanisten und Schriftsteller Eberhard Hilscher (1927-2005), der vor allem durch seine Monografien über Thomas Mann und Gerhart Hauptmann bekannt wurde. Nun wurde der Roman erstmalig veröffentlicht und eröffnet ein lebendiges Bild der Familie Schumann und der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und Russland in den 40er Jahren des 19.Jahrhunderts. Hilscher schildert die Dresdner Gesellschaft, das Studentenleben im Baltikum, den Petersburger Hof und das Treiben in Moskau. Er stellt Armut und Elend der verschwenderischen Pracht der Oberschicht gegenüber und beschreibt die Leibeigenschaft in ihrer ganzen Härte und mit dem Wissen um die späteren revolutionären Entwicklungen. In Verbindung akribischer Quellenarbeit, universalen Wissens und dem „Spiel der Möglichkeiten“ zeichnet er Schumanns Ringen um den richtigen musikalischen Ausdruck, seine Vorstellungen von einer volksnahen Kunst und den Einfluss der Volksmusik auf das Komponieren. In St. Petersburg wird die Aufführung von Schumanns Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38, der Frühlingssinfonie, mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Solche musikalischen Höhepunkte wechseln mit Szenen des Alltags, darunter Momenten der Eifersucht auf die erfolgreiche und umschwärmte Clara.

Zugleich deutet Hilscher bereits jene Krankheit an, die Schumanns letzte Lebensjahre überschatten sollte. Das Dämonische in der Kunst und in Schumanns Persönlichkeit wird zu einem wiederkehrenden Motiv. Am Ende der „Szenen um Robert Schumann“ behandelt Hilscher die Ereignisse um den Maiaufstand in Dresden 1849, den sowohl Schumann als auch Richard Wagner unmittelbar erlebten. Das Buch ist gleichermaßen eine Entdeckung für Freunde historischer Romane wie für musikinteressierte Leser. rv

Hilscher, E.: Maestros Himmel- und Höllenfahrt. Flur Verlag, 2026.

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