Von diesen Monaten erzählt „Maestros Himmel- und Höllenfahrt.“ Geschrieben 1958 von dem Germanisten und Schriftsteller Eberhard Hilscher (1927-2005), der vor allem durch seine Monografien über Thomas Mann und Gerhart Hauptmann bekannt wurde. Nun wurde der Roman erstmalig veröffentlicht und eröffnet ein lebendiges Bild der Familie Schumann und der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und Russland in den 40er Jahren des 19.Jahrhunderts. Hilscher schildert die Dresdner Gesellschaft, das Studentenleben im Baltikum, den Petersburger Hof und das Treiben in Moskau. Er stellt Armut und Elend der verschwenderischen Pracht der Oberschicht gegenüber und beschreibt die Leibeigenschaft in ihrer ganzen Härte und mit dem Wissen um die späteren revolutionären Entwicklungen. In Verbindung akribischer Quellenarbeit, universalen Wissens und dem „Spiel der Möglichkeiten“ zeichnet er Schumanns Ringen um den richtigen musikalischen Ausdruck, seine Vorstellungen von einer volksnahen Kunst und den Einfluss der Volksmusik auf das Komponieren. In St. Petersburg wird die Aufführung von Schumanns Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38, der Frühlingssinfonie, mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Solche musikalischen Höhepunkte wechseln mit Szenen des Alltags, darunter Momenten der Eifersucht auf die erfolgreiche und umschwärmte Clara.
Zugleich deutet Hilscher bereits jene Krankheit an, die Schumanns letzte Lebensjahre überschatten sollte. Das Dämonische in der Kunst und in Schumanns Persönlichkeit wird zu einem wiederkehrenden Motiv. Am Ende der „Szenen um Robert Schumann“ behandelt Hilscher die Ereignisse um den Maiaufstand in Dresden 1849, den sowohl Schumann als auch Richard Wagner unmittelbar erlebten. Das Buch ist gleichermaßen eine Entdeckung für Freunde historischer Romane wie für musikinteressierte Leser. rvHilscher, E.: Maestros Himmel- und Höllenfahrt. Flur Verlag, 2026.