„Alexa, spiel Entspannungsmusik für Hunde“, sagt Gunnar Konther (58). Sekunden später erfüllen sanfte Klänge den Raum. Die Welpenstube in der Dorfstraße im Neuruppiner Ortsteil Lichtenberg bietet beinahe Spa-Atmosphäre. Das Wasserbett entstand nach einer ungewöhnlichen Idee. Ein Bettenhaus aus Leipzig ließ es ursprünglich für einen Dackel mit Bandscheibenvorfall anfertigen. Gunnar Konther recherchierte die Geschichte – und ließ für seine Welpen ein eigenes Modell bauen.
Bandscheibenvorfälle gelten als eines der größten Gesundheitsprobleme der Rasse. Genau dort setzt Konthers Zuchtphilosophie an. Sein Ziel: Dackel mit etwas kürzerem Rücken und kompakterem Körperbau zu züchten, um die Wirbelsäule zu entlasten. Dafür verpaarte er bewusst unterschiedlich große Tiere – damals ein umstrittener Schritt unter Züchtern.
„Ich wurde dafür kritisiert“, erinnert er sich. Inzwischen seien solche Verpaarungen sogar offiziell gewünscht, um den Genpool zu erweitern. Sein persönliches Fazit fällt selbstbewusst aus: „Aus meinem Zwinger hatte bisher kein einziger Hund einen Bandscheibenvorfall.“
Im Kaufvertrag verpflichtet er alle Käufer, ihn über gesundheitliche Probleme zu informieren. So führt er seit Jahren seine eigene Statistik – bislang ohne einen einzigen entsprechenden Fall.
Was heute professionell ist, begann eher zufällig. Vor rund zehn Jahren bekam Gunnar Konther gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Frau den ersten Wurf ihrer Dackel Alma und Alfred. „Wir hatten damals eigentlich keine Ahnung von Hundezucht“, erzählt er lachend. „Es hat mit den Welpen damals so Spaß gemacht“, erinnert er sich. Aus dem Hobby wurde eine Leidenschaft, aus der Leidenschaft schließlich ein Beruf. Seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren widmet er sich ganz der Zucht.
Mittlerweile leben zehn erwachsene Dackel auf dem Grundstück, fünf davon werden für die Zucht eingesetzt. Rund 70 Welpen wurden seit der offiziellen Zulassung geboren, zusammen mit den ersten ungeplanten Würfen sind es etwa 100 Dackel aus dem Zwinger „Vom Lichten Berg“. Die Welpen werden nach drei bis vier Wochen in das Rudel integriert. Die erwachsenen Hunde übernehmen einen Teil der Erziehung. Draußen wartet ein großer Garten mit jeder Menge Buddelmöglichkeiten. Der gepflegte Rasen hat dabei längst kapituliert. „Der Rasenmäher verschwindet manchmal fast in den Löchern“, sagt Konther und lacht.
Bei der Vermittlung geht Gunnar Konther ungewöhnliche Wege. Fast alle Welpen sind bereits vor der Geburt reserviert. Wer einen Dackel möchte, muss Geduld und echtes Interesse mitbringen. „Die Leute müssen mir zeigen, dass sie sich für das Wohlergehen der Hunde interessieren. Sie sollen anrufen, Fragen stellen und den Kontakt suchen.“
Künftige Besitzer erhalten Zugang zu einer Welpenkamera und können die Entwicklung ihres Hundes nahezu rund um die Uhr verfolgen. Das schaffe eine enge Bindung. Tatsächlich sei bislang noch kein Hund an ihn zurückgegeben worden.
Für jeden Wurf gilt ein Buchstabe des Alphabets. Der aktuelle K-Wurf wird ausschließlich Namen mit K tragen. Allerdings können die Besitzer innerhalb des Buchstabens selbst entscheiden. Den neuen Besitzern empfiehlt Konther, den Namen beizubehalten. Freunde mussten an der Grenze umkehren, weil sie ihren Hund anders riefen als im Heimtierausweis eingetragen. Wer einen Wunschnamen mit anderem Anfangsbuchstaben habe, solle einen Doppelnamen eintragen.
Mit den Käufern bleibt der Züchter auch Jahre später verbunden. Für jeden Wurf richtet er eine WhatsApp-Gruppe ein. Nach einem Jahr werden alle Besitzer in einer großen Gemeinschaft zusammengeführt. Dort tauschen sich auch Menschen aus, deren Hunde bis zu acht Jahre alt sind.
Entspannungsmusik, Wasserbett, Wärmelampe und wahre Fürsorge zahlen sich aus: Konther hat 38 Fünf-Sterne-Bewertungen bei Google und keine einzige mit weniger Sternen. Gunnar Konther bleibt bescheiden: „Gesunde Hunde waren von Anfang an mein Ziel.“ Isabelle Bonenkamp