„Es war eine wunderschöne und sehr intensive Reise“, erzählt Chorsängerin Ulrike Gawande. Noch heute falle es ihr schwer, die Eindrücke in Worte zu fassen. Zu besonders seien die Orte gewesen, an denen Chorisma musizieren durfte.
Bereits das Konzert in der St. Laurence Church in Forres zeigte, wie Musik Menschen verbindet. In der beeindruckenden Kirche empfing eine herzliche Gemeinde den Chor mit großer Offenheit. Als Chorisma das schottische Volkslied „Loch Lomond“ anstimmte, klatschte das Publikum zunächst im Takt mit, bevor einige Besucher schließlich aus voller Kehle mitsangen. „Das war ein sehr bewegender Moment“, erinnert sich Gawande.
Auch abseits des Konzerts entstanden Begegnungen, die in Erinnerung bleiben. Die Sängerinnen und Sänger kamen mit Einheimischen ins Gespräch, lernten einen Schotten in traditioneller Highland-Tracht kennen. Im Anschluss an das Chorkonzert spielte ein örtliches Ukulele-Ensemble bekannte Melodien der 60er- und 70er-Jahre. Für Gawande zeigte gerade dieser gemeinsame Konzertabend eindrucksvoll, wie Musik Menschen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Herkunft miteinander verbindet.
Den wohl nachhaltigsten Eindruck hinterließ jedoch der Tarlair-Swimming-Pool – ein historisches Meerwasserbecken, eingebettet zwischen Felsen und der rauen Nordseeküste Schottlands. Hier war Chorisma Teil der internationalen Performance „Alien Aquatic“, die Gesang, Tanz, Klangkunst und Natur miteinander verbindet und zugleich auf die Verschmutzung der Meere durch Mikroplastik aufmerksam macht.
Die Natur wurde dabei selbst zur Mitwirkenden. Der Wind strich durch die Klippen, Wellen brandeten gegen die Felsen, Austernfischer riefen über das Wasser, während sich die Stimmen des Chores ohne jede technische Verstärkung in diese einzigartige Klanglandschaft einfügten.
„Es war außergewöhnlich, die Kraft der Natur so unmittelbar zu erleben und mitten in den Elementen zu musizieren“, sagt Gawande. Dass es an diesem abgelegenen Küstenabschnitt weder Handy- noch Internetempfang gab, empfand sie nicht als Einschränkung. Im Gegenteil: „Man konnte sich vollkommen auf den Moment konzentrieren.“
Gemeinsam mit der argentinischen Klangkünstlerin Fabiana Galante, der schottischen Choreografin Clea Wallis, Tänzerinnen und Tänzern sowie dem schottischen Vokalensemble The Tripple entstand bei jeder Aufführung ein neues Gesamtkunstwerk. Wetter, Licht und Natur veränderten die Inszenierung ständig und machten jede Performance einzigartig.
Auch das Publikum zeigte sich beeindruckt. Da sich die Aufführung über das gesamte Gelände erstreckte, erlebte jeder Besucher sie aus einer anderen Perspektive. Die Musik wurde zum verbindenden Element, das die einzelnen Bilder, Figuren und Klangwelten zu einem gemeinsamen Erlebnis verschmelzen ließ. Mystisch, filigran und beinahe schwebend sei die Atmosphäre gewesen.
Die Sängerinnen und Sänger staunten nicht schlecht, als ihnen mitten in Schottland eine Besucherin aus Königs Wusterhausen begegnete, um die Performance zu erleben.
Mit vielen musikalischen Eindrücken, neuen Freundschaften und der Erfahrung, dass Musik Sprachgrenzen und Entfernungen überwinden kann, kehrte der Kammerchor Chorisma schließlich nach Neuruppin zurück – erfüllt von einer Reise, die noch lange nachklingen wird.
Die nächsten Konzerttermine in der Region sind am 13. September ab 11 Uhr im historischen Brauhaus Himmelpfort und die Weihnachtskonzerte in der Siechenhauskapelle Neuruppin am 29. November. Wegen der großen Nachfrage finden dort in diesem Jahr zwei Aufführungen statt, um 11 Uhr und um 17 Uhr. WS