Insulin istkälteempfindlich
Menschen mit Diabetes sollten in den Wintermonaten einiges beachten

Diabetiker sind im Winter besonders gefährdet. Foto: Adobe Stock/interstid
brandenburg. Tiefe Temperaturen können für die über neun Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland zur Belastung werden. Einerseits beeinträchtigt Frost die Wirksamkeit von Insulin und die Funktion von Messgeräten. Zudem schwanken die Blutzuckerwerte stärker, insbesondere bei schnell wechselnden Temperaturen. Menschen mit Nervenschäden wie einer diabetischen Polyneuropathie spüren Kälte oft kaum – mit möglichen Folgen wie schlecht heilenden Wunden, Rissen an der Haut oder auch langwierige Entzündungen, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD).

Insulin ist kälteempfindlich: Unter +2 Grad Celsius kann es einfrieren und verliert dann seine Wirkung, auch wenn es äußerlich unverändert erscheint. Blutzuckermessgeräte, Teststreifen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) reagieren ebenfalls empfindlich auf Kälte: Schläuche von Insulinpumpen können steif werden und abknicken. „Insulin und Technik sollten im Winter immer nah am Körper getragen werden, damit sie nicht auskühlen“, sagt Yvonne Häusler, Vorstandsmitglied des VDBD und Diabetesberaterin an Kliniken des Deutschen roten Kreuzes (DRK). Sie betont, dass durch Kälte bedingte fehlerhafte Messwerte zu falschen Insulindosierungen führen können.

Der Körper verbraucht bei niedrigen Temperaturen mehr Energie, um warm zu bleiben. Das kann auch den Blutzucker senken. Gleichzeitig lässt Kälte demnach die Produktion von Stresshormonen steigen, die wiederum die Wirkung von Insulin abschwächen. Beides kann also zu größeren Schwankungen führen. Hinzu kommt: Wer sich weniger bewegt, sollte berücksichtigen, dass längere Ruhephasen die Werte ebenfalls wiederum steigen lassen können. Die VDBD-Expertin Yvonne Häusler rät daher, im Winter häufiger manuell zu messen oder aber die Kurven des Glukosesensors im Auge zu behalten.

Eine kältebedingte Nervenschädigung, also eine Polyneuropathie, kann unterschiedlich stark ausfallen. „Viele spüren noch nicht einmal, wenn ihre Füße im Winter zu kalt werden“, weiß Yvonne Häusler. Die Kombination aus trockener Kälte draußen und warmer Heizungsluft drinnen kann auch die Haut zusätzlich in Mitleidenschaft ziehen. Unbemerkte Erfrierungen, eine fragile Haut, die aufreißen kann oder Druckstellen sind die Folge. Die VDBD-Expertin empfiehlt daher, die Füße täglich zu kontrollieren und Winterschuhe sorgfältig auszuwählen. Sie sollten warmhalten, aber nicht drücken oder Reibung verursachen. Auch Socken aus wärmenden, atmungsaktiven Materialien helfen, die Haut zu schützen.

Erkältungen und Grippe kommen im Winter häufiger vor und treiben den Blutzucker in die Höhe. „Eine vitaminreiche Ernährung mit Wintergemüse wie Grünkohl, Pastinaken, Rosenkohl oder Rotkohl kann das Immunsystem unterstützen. Bewegung an der frischen Luft wirkt einem `Winterblues´ entgegen und hilft überdies dem Stoffwechsel“, ergänzt Kathrin Boehm, VDBD-Vorstandsvorsitzende.

Auch bei Infekten sollten Betroffene ihren Blutzucker öfter kontrollieren und ausreichend trinken. Wenn Werte über längere Zeit erhöht bleiben, ist es sinnvoll, den Rat des Diabetesteams einzuholen.

Kinder bewegen sich draußen oft intensiv oder verbringen viel Zeit im Warmen. Beides kann die Glukosewerte verändern. Beim Schlittenfahren, Skifahren oder einer Schneeballschlacht sinkt der Blutzucker häufig. Längeres Sitzen drinnen führt dagegen eher zu hohen Werten. „Insulin kühlt im Schulranzen sehr schnell aus, besonders in Außentaschen. Im Winter gehört es gut isoliert und möglichst körpernah verstaut“, erklärt Häusler. Eltern sollten vor und nach Outdooraktivitäten die Werte ihrer Kinder prüfen, schnelle Kohlenhydrate mitgeben und nasse Kleidung zügig wechseln. Und auch hier gilt: Die Haut von Kindern ist im Winter trocken und braucht besondere Pflege – insbesondere an den Einstichstellen. gd

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