Filmemacher-Ehepaar ausBerlin zieht aufs Land
Karin Albers holt Fête de la Musique nach Lenzen

„Salama!“ bei der Fête de la Musique 2025.Foto: Bodo Rohloff
Lenzen. Zwei Filmemacher wollten weg aus Berlin. Eine Bedingung für ihr neues Zuhause war, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Berlin kommen. Bei einer Fahrradtour auf dem Elbdeich entdeckten sie in Lenzen ein Haus, das zu verkaufen war. Im Jahr 2020 zogen Karin Albers und Boris Matas nach Lenzen und eröffneten ein Jahr später die Galerie Seetor.Art. „Wir haben das hier gefunden. Ein Galerie zu betreiben hatten wir eigentlich nicht vor. Aber dieser helle Raum hier bietet sich doch einfach dazu an”, sagt Karin Albers. Sie breitet ihre Arme aus, deutet auf die Wände und die Stellflächen im lichtdurchfluteten Raum, in dem mal ein Papierwarengeschäft untergebracht war. Katze Liesel schwänzelt ihr um die Beine. „Die ist uns zugelaufen”, erklärt sie.

Bekannt sind die beiden Künstler für ihre Filme, Video- und Lichtinstallationen. Sie stellten in Galerien und im öffentlichen Bereich unter anderem in Luzern, Sidney und Berlin aus. Karin Albers kommt aus Stolzenau (Niedersachsen), studierte zunächst Kunst an der Kunstakademie Münster, schwenkte dann aber auf Film um. Von 1978 bis 1983 studierte sie an der Filmhochschule CUEC, Centro de Estudios Cinematográficos, Universität von Mexiko-Stadt UNAM mit Spezialisierung auf Kamera und Regie. Aus dieser Zeit stammen die Zeichnungen von Künstlern aus Paraguay an ihrer Wand. Ab 1992 leitete sie die Almafilm-Produktion, mit der sie Kurz- und Dokumentarfilme sowie Reportagen hauptsächlich für öffentlich-rechtliche Sender wie 3sat, Arte, NDR, WDR und den MDR drehte. Die Kamerafrau, Regisseurin und Produzentin war die erste Frau hinter der Kamera im ZDF-Studio Berlin.

1987 lernten sich Karin Albers und Boris Matas in Berlin kennen und wurden ein Paar. Boris Matas ist Film-Autor der Zagreb-Filmschule für Animation. Schon früh stand für den Kroaten fest, dass er unbedingt Trickfilmer werden wollte. Seit 1990 beschäftigt sich er zudem intensiv mit der Malerei.

Das Künstlerehepaar fand in Lenzen nicht nur einen neuen Ort für ein neues Leben. „Der Raum hier ist doch toll. Zu Weihnachten war hier Tanz, ein Club”, schwärmt sie. Die erste geplante Ausstellung musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. „Dann hatten wir eine Ausstellung, die verhüllte Menschen zeigt.” Im Sommer 2021 wurde die Galerie mit der Ausstellung „Der lange Tag über Paraguay” eröffnet. Darin stellten sich die Betreiber Boris Matas und Karin Albers mit ihren Arbeiten vor. Außerdem zu sehen waren Zeichnungen der paraguayischen Indigenen Oswaldo Pitoe, Jorge Carema, Efacio Alvarez, Esteban Klassen, Marcos Ortiz und Clemente Juliuz mit Themen ihrer Natur und ihres Alltagslebens, außerdem farbenfrohe Aquarelle von Mirasol Alcántara de Rodriguez aus Mexiko mit merkwürdigen Wesen. Die Ausstellung weist auf Karin Albers enge Verbundenheit mit Lateinamerika hin. Es folgten mehrere Ausstellungen mit Malerei, Skulpturen und Zeichnungen sowie Konzerte. Der K22-Gipfel ist eine Ausstellung mit 22 Lenzener Künstlerinnen und Künstlern. Der findet nun alle zwei Jahre statt, eine Biennale. Der nächste K22-Gipfel wird am 11. Juli 2026 eröffnet. Das Künstlerpaar beteiligte sich am Tag der offenen Ateliers im Land Brandenburg. „Das hier macht viel Freude. Es gibt viele Künstler in der Umgebung. Es ist gut, dass es einen Raum gibt, in dem sie sich präsentieren und verkaufen können.”

Der Hof ist ein Teil der Galerie. Die Werkstatt hinterm Haus war früher eine Schmiede. „Es ist ein vielseitiger Raum mit einem hohen Dach. Die Werkstatt wird als Atelier ausgebaut. Im Sommer wird alles fertig sein. Wir werden es zur Miete anbieten, damit mehr künstlerisches Leben hier stattfinden kann, das Atelier aber auch selbst nutzen”, erklärt sie. Der 150 Quadratmeter große Raum bietet sich auch für Yoga oder Tanz und dergleichen an. 2025 holte Karin Albers die „Fête de la Musique” das erste Mal nach Lenzen. „Lenzen wirkt so lieblos. Man sieht kaum Menschen hier. Wir wollten zeigen, dass die Stadt nicht nur aus Burg und Kirche besteht und wollten die Gäste durch die ganze Stadt locken.” Zehn Musiker-Gruppen aus Lenzen und Umgebung boten überall kleine Straßenkonzerte und das Publikum zog durch die Stadt zwischen der Badestelle am Rudower See bis zum Hafen an der Elbe.

Zum Schluss sammelten sich alle am alten Wachturm an der Elbe und feierten mit einem Trommelkonzert, bis die Sonne hinterm Horizont verschwand. „Es war eine super Stimmung und alle waren glücklich. Ganz viele Leute haben mitgeholfen”, blickt Karin Albers zurück. „Deshalb machen wir es wieder. Die Stadt unterstützt uns jetzt auch dabei.”

„Die Seetorstraße wird der Ku’damm von Lenzen”, blickt sie in die Zukunft.

Eine Tapasbar gibt es schon. Im Sommer öffnet ein Café mit Garten und Hof. Das „Schnabulös” öffnet wieder. Zu schnabulieren gibt es dort erlesene Weine und Spirituosen, Delikatessen und feine Naschereien bei Weinproben und festlichen Genüssen in kleinem Kreis. Ein paar Häuser weiter kommt die Galerie, dann der Löcknitzgarten, der Färbergarten und an der Elbe schließlich das Café Eisvogel.

„Wir bemühen uns auch, die leerstehenden Schaufenster in der Straße zu schmücken. Es ist nicht immer einfach, dazu die richtige Kontaktperson zu finden. Hier schräg gegenüber sieht man übrigens leuchtende Nachtröcke im ehemaligen Elektroladen. Das sieht lustig aus”, frohlockt Boris Matas. WSGalerie Seetor.Art, Seetorstraße 9, 19309 Lenzen, Tel. 038792/ 913821, E-Mail: kontakt@
seetor.art, Web: www.seetor.art.
Geöffnet ist die Galerie von Mai bis zum 15. Oktober, Mittwoch bis Samstag von 11 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, auf Vereinbarung und wenn die Fahnen wehen.







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